H.I.M. - Venus Doom - Cover
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H.I.M. Venus Doom


  • Label: Sire Records/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem HIM-Sänger Ville Valo zuletzt auf Solopfaden wandelte und zusammen mit der Schauspielerin Natalie Avelon das unverschämt erfolgreiche Duett „Summer wine” einsang, das nebenbei den besten „James Bond”-Song, der kein „James Bond”-Song ist, darstellt, war eigentlich nicht zu erwarten, dass er mit HIM zu seinen hartrockenden Ursprüngen zurückkehren würde. Doch „Venus Doom“ macht genau das wahr. So sehr, dass die amerikanische Plattenfirma der Finnen nervöse Flecken bekam, ob der kommerziellen Tauglichkeit des frisch angelieferten Songmaterials von Studioalbum Nummer sieben.

Dabei war es genau diese Portion Härte, die HIM in den vergangenen Jahren abhanden gekommen war und die auch die anno 2007 vorhandenen Hit-Melodien zu sehr in den Vordergrund stellte. „Venus Doom“ setzt dagegen im Vergleich zum imageschädigenden Gothic-Kitsch-Pop früherer Werke auf eine kernig-laute Metal-Gitarren-Grundlage, die u.a. dafür sorgt, dass bei nur neun Songs dennoch eine Spielzeit von 48 Minuten zustande kommt. Wie das geht? Indem z.B. richtige Old-School-Gitarrensoli (sprich: cooler 80er-Jahre-Stuff) und progressive Elemente eingebaut werden, die eine höchst spannende Gothic/Doom/Metal-Mischung ergeben, mit der sich HIM hörbar an ihren Vorbildern orientieren, die von Type 0 Negative und Cathedral über Metallica bis hin zu Death Angel reichen.

Ein Paradebeispiel für die neuen HIM ist „Sleepwalking past hope“. Das Stück zitiert kurz nach einem Piano-Intro das „For those about to rock (we salute you)“-Riff von AC/DC, tänzelt dann mit satten Grooves in eine HIM-typische, sehr eingänmgige Klaviermelodie, bevor sich die Gitarrenfraktion erneut in ausufernden Soli und doomigen Parts austoben kann. Und während sich der Hörer schon längst im nächsten Track wähnt, weil die Stimmung für mehrere Minuten komplett umgeschlagen ist, läuft die Zeitanzeige munter auf die 10-Minuten-Marke zu. Wow! Soviel Komplexität hat den Finnen bestimmt keiner zugetraut!

Ganz anders ist da der Titelsong. Als stampfende Hymne, in der sich ruhige, melodische Parts (u.a. ist eine Spieluhr zu hören) mit bretthart sägenden Gitarren abwechseln, kommt hier eine echte Live-Granate auf die Fans zu. „The kiss of dawn“ wuchert als vielschichtiger 6-Minuten-Song, der stets in Sachen Geschwindigkeit und zwischen verschiedenen Stimmungen schwankt. Villes Stimme erzeugt während der Strophen eine düstere Atmosphäre, die während der Refrains aufgebrochen wird, um dann, von Riffgewittern befeuert, wieder die Sonne untergehen zu lassen. Hart, heavy und düster – und die Fans seichterer HIM-Stücke müssen trotzdem nicht auf ihrer geliebten Balladen verzichten. Diese (lediglich zwei an der Zahl!) fallen Gott sei Dank nicht so klebrig und süß aus wie früher, obwohl sie Villes gewohnt schmalziges Stöhnen in Kombination mit ultra-tiefen Gesangspassagen direkt aus der Gruft deines Vertrauens aufbieten („Song or suicide“), zu dem sich in „Cyanide sun“ auch noch eine Gitarre der härteren Sorte „verirrt“. Das passt!

Mit „Venus Doom“ haben HIM ihre Glaubwürdigkeit zurückerobert, indem sie übertriebenen Popappeal und Hitgeilheit gegen Instinkt und Gefühl eingetauscht haben. Ein komplettes Album, das durchgehend stark ist, haben die Finnen seit Jahren nicht mehr hinbekommen. Hier ist es nun!

Anspieltipps:

  • Venus doom
  • The kiss of dawn
  • Dead lover’s lane
  • Passion’s killing floor
  • Sleepwalking past hope
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