Biffy Clyro - Puzzle - Cover
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Biffy Clyro Puzzle


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Biffy Clyro verarbeiten auf „Puzzle“ den Verlust eines nahestehenden Menschen.

Seit ihrem Debüt „Blackened Sky” (2002) entwickelten sich die Glasgower Biffy Clyro stetig weiter und brachten mit „The Vertigo Of Bliss“ (2003) und 2004 mit „Infinity Land“ Schlag auf Schlag zwei durchaus komplexe und progressive Rockalben auf den Markt. Nun ließen sich Fronter Simon Neil und die beiden Gebrüder Ben und James Johnston mehr Zeit für die Aufnahme ihres vierten Longplayers „Puzzle“. Für die Produktion zeichnet sich Produzent Garth Richardson (Rage Against The Machine) verantwortlich, mit dem sich das Trio für einige Wochen im Studio in Vancouver einschloss, um an ihrem Majordebüt für Warner Music zu basteln.

Biffy Clyro verarbeiten auf „Puzzle“ hauptsächlich den Verlust eines nahestehenden Menschen – in diesem Fall den von Simons Mutter. Das bedeutet aber nicht, dass auch die Musik auf melancholische Klänge beschränkt ist, denn auf „Puzzle“ ist auch für reichlich Zunder gesorgt. Den Opener „Living Is A Problem Because Everything Dies“ beispielsweise leiten Biffy Clyro mit exakt getimten Streichereinsätzen und präzisem Drumming ein, ehe zum Ende des Stücks ein heroischer Chor Simons beseelten Gesang untermalt. Das Stück kommt mit einer solchen Kraft und Größe daher, dass man erst mal erblasst. „Saturday Superhouse“ wartet mit kantiger Strophe und melodischem Refrain auf und besitzt eine klare Struktur, die eingängig ist, durch die der Song aber wegen seiner gleichzeitigen Intensität nicht an Ausdruck verliert.

„Who’s Got A Match?“ erinnert stark an Queens Of The Stone Age und orientiert sich zu sehr am Original, als dass der Song originell wirke. Ruhig wird es zu Beginn von „As Dust Dances“. Nach kurzer Zeit gesellen sich schließlich die Gitarren zu Simons klagenden, doch gleichzeitig impulsiv wirkenden Gesang. Die Erinnerungen an seinen Verlust scheinen Simon sehr zu plagen und werden immer wieder beschrieben: „I wander streets at night and hope to god to see your face...“. Daran schließt sich direkt das erste, nur aus Klavier und weinenden Scharnieren zusammengesetzte Interlude „2/15ths“ an. Mit „A Whole Child Ago“ kracht dann plötzlich eine hoffnungsvoll anmutende Pop-Punk-Nummer durch die Boxen und in „The Conversation Is...“ liefern Biffy Clyro eine verdammt eingängige und beschwingte, wenn auch textlich tragische Rockperle ab, erklärt Simon dort, dass „Pillen“ sein einziger Hoffnungsschimmer seien.

„Now I’m Everyone“ fängt verhalten an, mündet dann in einem musikalischen Staudamm mit sich ständig wiederholendem Takt, bevor der Damm schließlich unter der Gitarrenlast zerberstet und eine erhabene Melodie freigibt in Verbindung mit den ständig wiederkehrenden Worten: „This is the one.“ Ein Stück, das in Erinnerung bleibt. „Semi-Mental“ klingt verstärkt nach den früheren Biffy Clyro und hätte sich auch auf „Blackened Sky“ gut gemacht. Hier verlässt man sich auf die alten Stärken, sorgt aber deshalb für weniger Aufsehen. „4/15ths“ schließt sich an – das nächste Interlude. Dieses mal mit zartem Gesang von Simon und dezentem Glockenspiel, unterlegt mit dem Klavierspiel der ersten Zwischensequenz.

„Love Has A Diameter“ übernimmt im Refrain das Glockenspiel und akzentuiert damit ein „Wooh-oh-oh“ der Backgroundstimmen, während eine Wand aus Gitarren und Drums näherrückt. „Get Fucked Stud“ und „Folding Stars“ gehören nicht gerade zu den aufregendsten Titeln in Biffy Clyros Repertoir, folgen sie einem gewöhnlichen Strophe – Refrain – Strophe – Refrain-Schema ohne dabei mit außergewöhnlichen Melodien aufzuwarten. „9/15ths“ vervollständigt mit hypnotischen Chören das Interlude-Szenario. Zum Abschluss brillieren Biffy Clyro mit dem sentimentalen Schmuckstück „Machines“, in dem Simon seinen Verlust zu akzeptieren scheint: „...you won’t feel as low as you feel right now...“, „…take the pieces and build them up to the sky.“.

Biffy Clyro schieben auf „Puzzle” das Experimentelle weitestgehend bei Seite. Auf abgefahrene Sounds und wilde Songstrukturen wird fast gänzlich verzichtet. Vielmehr punktet „Puzzle“ durch eine dichte Atmosphäre und zerbrechliche Melodien zwischen Depression und Hoffnung.

Anspieltipps:

  • Living Is A Problem Because Everything Dies
  • Now I’m Everyone
  • Machines
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