Collie Electric - Collie Electric - Cover
Große Ansicht

Collie Electric Collie Electric


  • Label: Rent A Dog/ALIVE
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Collie Electric fabrizieren auf ihrem Selbstbetitelten Erstling grundsoliden Folk-Rock, dem auf der Zielgeraden dann aber zuhörend die Puste auszugehen scheint. Markus Maria Jansen, Sänger und Kopf der Band, kann eine durchaus beachtliche und Ereignisreiche musikalische Vita vorweisen. Zusammen mit Michael Pelzer gründet er im Jahre 1985 die Postpunkkapelle M. Walking On The Water und sorgt hierzulande mit ihrem selbst benannten „Short-Distance-Psycho-Folk”-Stil für großes Aufsehen in der hiesigen Rockszene. Selbst Sympath der Nation und Knödelstimmenweltmeister der Herzen Herbert Grönemeyer outet sich in dieser Zeit als Fan ihrer englisch getexteten Rocklieder. Nach der Veröffentlichung von insgesamt zehn Alben, zweier Minialben und diversen Singles, folgt im Jahre 1997 der Bandsplit und nur ein Jahr später ruft Markus die Band Jansen ins Leben. „Musik die schräg, schön, sentimental und böse ist.” So umschreibt er Jansens ungewöhnlichen Musikstil – Pop im Jazz-Ambiente.

Anno 2007 versucht der unermüdliche Querkopf nun mit seiner neuen Band Collie Electric die Musiklandschaft in Deutschland auf folkige Art und Weise zu bereichern. Die Trompete vergangener Tage wird nun durch Strombeladenere Instrumente ersetzt. Und um ihren kratzig-angefolkten Sound zu beschreiben, könnte man am ehesten Acts wie die Two Gallants oder die Decemberists als Vergleichsgrößen heranziehen. Bob Dylan lässt grüßen! Bereits beim Opener „Sleeping On A Wire” ist eine gewisse Ähnlichkeit in der Bohemien-Bariton Stimme von Markus und dem jederzeit ausdrucksmächtigen Godfather of Folk unüberhörbar. CollieElectric starten auf rockig unbeschwerte Art und Weise in die nun folgenden 51 Minuten. Auch auf dem beruhigend leichten „Wishing Well” und dem zwischen minimal-instrumentierten und scheppernd-rockigen Parts wandelnden „Heaven”, bewegt sich Markus prägnante Stimme anmutig zwischen Bobs wilder Seite und dem traurigen Moll eines Nick Cave.

Auf jedem der zwölf Stücke versuchen Bassist Philipp Lethen, Schlagzeuger Andre Hasselmann und Markus an der Gitarre, ihre Instrumente niemals überschwänglich zu strapazieren und den daraus resultierenden spärlich und gedrosselten Sound zu konservieren. Und das gelingt ihnen auch. Aber hier und da wünscht man sich dann doch einen mitreißenden „Aha-Effekt“ oder eine unerwartete Wendung in Sachen Songkonstrukt oder Rhythmusgefälle. Aber Collie Electric verharren unermüdlich in ihrem Angestammten Soundterrain, so dass in der Folgezeit die meisten ihrer Kompositionen einfach zu ähnlich klingen. Lediglich das im Refrain melodiöse „Lilac Moon” und das mit dem Etikett „Psychedelisch light“ versehene „Final Crap” ragen aus diesem mit Honeyton-Gitarren, Lipstick-Tonabnehmern und 5-Watt-Batterieverstärker bepflanzten Folkrockwäldchen am ehesten heraus.

Das Debüt von Collie Electric klingt sparsam, unverstellt und unspektakulär. Kurze dezente Soli, ein ungespülter Gitarrensound und der nachlässige zu wirkende Timbre von Sänger Markus sind die Bestandteile eines überdurchschnittlichen Folkrockalbums. Mit zunehmender Spieldauer wirkt das ganze aber eine Spur zu solide und langwierig. Ein wenig mehr Getöse, hätte diese doch sehr ruhige und beschauliche Platte, zu einem noch eindringlicheren Hörerlebnis heranwachsen lassen können.

Anspieltipps:

  • Sleeping On A Wire
  • Heaven
  • Lilac Moon
  • Final Crap
Neue Kritiken im Genre „Folk“
6/10

Silent Angel: Fire And Ashes Of Heinrich Böll EP
  • 2017    
Diskutiere über „Collie Electric“
comments powered by Disqus