Kamelot - Ghost Opera - Cover
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Kamelot Ghost Opera


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Kamelot sind mit diesem Album zwar nicht in einem Tal, aber im Basislager auf mittlerer Höhe angekommen.

Das Problem mit diesen verdammten Bergen ist, dass man nicht mehr höher kommt, wenn man einmal den Gipfel erreicht hat. Klar, man kann eine zeitlang auf ihnen verweilen, aber irgendwann ist der Abstieg unumgänglich. Mit „The black halo“ haben Kamelot im Jahr 2005 ihren persönlichen Mount Everest bestiegen. Doch gerade im progressiven Sektor, der so viele geniale Bands beheimatet, ist die Luft an der Spitze dünn. Zuletzt waren es die Finnen Sonata Arctica, die sich mit ihrem neuen Album einen Platz an der Sonne erkämpften und Kamelot endgültig verdrängten. Operation Wiederaufstieg kann also anlaufen.

Von Beginn an fällt auf, dass sich Kamelot absolut treu geblieben sind. Der Stil wurde lediglich um Nuancen verfeinert. Ingesamt ist das Album eine Spur kantiger als „The black halo“, aber der symphonische Charakter wurde beibehalten ohne jedoch in allzu pathetische Gefilde abzugleiten. Anstelle der zarten Violinenklänge im Intro tritt mit „Rule the world“ schnell ein Song, der keinen Hehl daraus macht, dass er an Großtaten wie „March of the Mephisto“ vom letzten Album anknüpfen will, was jedoch schon wegen der unverschämten Ähnlichkeit zum Scheitern verurteilt ist. Nicht zum letzten Mal beschleicht einem das Gefühl, dass Kamelot keine wirklich zündenden Ideen für Album Numero acht hatten. Die Single „Ghost Opera“ bestätigt diesen Eindruck. Klingt zwar unverkennbar nach Kamelot und wird jeden Fan zufrieden stellen, hat im Vergleich zu ähnlich gelagerten Songs des Vorgängers aber nur B-Seiten-Qualität und wirkt zudem recht überladen. Die bessere Singleauskopplung wäre aber das anschließende „The human stain“ gewesen, da es wesentlich griffiger daherkommt.

Das mit deutschen Wortfetzen beginnende „Blücher“ geht ebenfalls gut ins Ohr, krankt jedoch abermals an Ideenarmut. Die Ballade „Love you to death“ weckt beste Erinnerung an Ayreon. Das Duett zwischen Roy Khan und Gastsängerin Amanda Sommerville sorgt für wohlige Gänsehaut. Bei den verbleibenden fünf Songs erregt vor Allem der Refrain von „Up through the ashes“ Aufmerksamkeit. Hier singt Khan in einer für ihn typischen Stimmlage, durch die man meinen könnte, seine Stimmbänder seien fünf Meter langen und bestünden aus Seide. Danach gehen Kamelot aber endgültig die Ideen aus. Es fällt einem merklich schwer konzentriert zu bleiben, da die letzten Minuten zwischen „Mourning star“ bis zum finalen „EdenEcho“ an Spannungsarmut und Langatmigkeit kaum zu überbieten sind.

Das Gute an Bergen ist, dass es mehrere von ihnen gibt. Kamelot sind mit diesem Album zwar nicht in einem Tal, aber im Basislager auf mittlerer Höhe angekommen. Somit geht „Ghost Opera“ als Verschnaufpause vor dem nächsten Gipfelsturm durch. Die „Ghost Opera“ ist auch als Limited Edition mit Bonustrack und separater DVD samt Interviews, Studiomaterial und Making Of zu haben. Lesbarer ist die obendrein viel zu kleine Kursivschrift im Booklet allerdings auch in dieser Version nicht.

Anspieltipps:

  • The human stain
  • Love you to death
  • Up through the ashes
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