Molly Johnson - If You Know Love - Cover
Große Ansicht

Molly Johnson If You Know Love


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein unbeschriebenes Blatt ist Molly Johnson ganz sicher nicht mehr, auch wenn sie hierzulande kaum einer kennt. Bereits in den achtziger Jahren war die Kanadierin mit diversen Rock- und Funkbands unterwegs, den großen Wurf konnte sie dabei allerdings nicht landen. Frustriert zog sie sich vorerst aus dem aktiven Musikgeschäft zurück und kümmerte sich unter anderem um das „Kumbaya-Benefiz-Konzert“, bei dem Spenden für HIV-Stiftungen gesammelt wurde. Erst Ende des letzten Jahrtausends, nachdem Molly zwei Kinder großgezogen hatte, dachte sie wieder daran, selber Musik zu machen. Ihre jazzigen Alben feierten nicht nur in der Heimat, sondern auch bei unseren Nachbarn in Frankreich einige Erfolge. Und das durchaus mit recht, zumindest wenn man ihr neues Album „If You Know Love“ als Maßstab zur Hand nimmt.

Das Album beginnt mit dem Titeltrack sehr beswingt und fröhlich. Mollys Stimme erinnert ein wenig an die ihrer Kollegin Macy Gray, die Musik ist allerdings wesentlich mehr auf dem Boden der Tatsachen geblieben. Das gesamte Album wurde live im Studio ohne Zuhilfenahme von Overdubs oder ähnlichen Kniffen eingespielt, was man dem natürlichen Klang auch anhört. Entspannt geht es mit der Bossa-Nova-Nummer „Let’s Waste Some Time“ und dem chansonartigen, teilweise französischem „Tristes Souvenirs“ weiter.

Wie man merkt, Molly Johnson ist nicht nur in einem Genre zuhause, sondern verarbeitet auch viele andere musikalische Einflüsse. So gibt es nach wieder dem eher spartanisch-jazzigem „Let’s Do It“ und dem mit lässigem Walking-Bass versehenem „Sticks And Stones“ mit „Rain“ eine reinrassige Pop-Ballade auf die Ohren, und zwar die verdammt beste, die der Schreiber dieser Zeilen seit langem hören durfte. Die dichte Instrumentierung und Mollys eindringlicher Gesang lassen einen einfach nur noch mitgrooven. Beeindruckend, zeigt bei vielen Platten die Qualitätskurve der Songs meist entweder nach unten oder beschreibt allenfalls eine Waagerechte, so wird „If You Know Love“ mit zunehmender Spieldauer immer besser.

Auch die eindringliche Version des Bruce Springsteen-Klassikers „Streets Of Philadelphia“ und die relaxte, von eine akzentuierten Akustikgitarre getragene Nummer „Sunday“ lösen Gänsehaut beim Zuhörer aus. Bei „Messin’ Around“ gibt Molly dann auch einmal ein wenig Gas und die E-Gitarre feiert ihren funkigen Einstieg. Mit „Tonight“ und „But Not For Me“ geht es ein letztes Mal in reine Jazzgefilde, bevor mit „Northern Star“ die sicherlich beste Nummer des Albums ansteht. Drums und Bass grooven so munter los, dass es eine wahre Freude ist, auch alle anderen Instrumente dürfen sich bei diesem Uptempo-Song ordentlich austoben. Mollys griffige Melodien verkriechen sich in den Gehörgewinden und kommen so schnell nicht wieder raus. Extrem lässig beschließt dann der „Avignon Blues“ dieses hervorragende Album. Endlich war es mal wieder schwer sich die Anspieltipps auszusuchen!

Anspieltipps:

  • If You Know Love
  • Rain
  • Messin’ Around
  • Northern Star
Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Molly Johnson“
comments powered by Disqus