Sinead O´Connor - Theology - Cover
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Sinead O´Connor Theology


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 82 Minuten
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9/10 Unsere Wertung
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt viele Wege, bittere Erfahrungen zu verarbeiten. Sinead O’Connor ist den möglicherweise mutigsten gegangen, indem sie ihre unglückliche und bewegte Kindheit in nicht minder traurigen und bewegenden Liedern verarbeitete und so zu Weltruhm gelangte. „I Do Not Want What I Haven’t Got“ war der Titel ihres zweiten Werkes, welches im Jahre 1990, vor allem begründet durch ihre unsterblich schöne Interpretation des Prince-Songs „Nothing Compares 2 U“, den Durchbruch für die unkonventionelle Irin bedeutete. Dass sich der Titel dieses Albums ausschließlich auf die materiellen, käuflichen Dinge des Lebens bezog, bewies Sinead O’Connor in den Folgejahren eindrucksvoll. Ohne Rücksicht auf Verluste zog sie in den - ausschließlich mit der Macht der Worte geführten - Krieg für eine bessere Welt. Sie lehnte die Annahme der ihr zugesprochenen Grammy Awards ab, sympathisierte mit den politischen Vorstellungen der „IRA“ und verlor sich in einem aussichtslosen Kampf mit der katholischen Kirche.

Der Glaube war dabei stets ihr treuster (zu mancher Zeit ihres Lebens vermutlich auch ihr einziger) Begleiter, und so ist es wenig verwunderlich, dass ihr aktuelles Album den Namen „Theology“ trägt und in den Texten auf biblische Zitate zurückgreift. Die Befürchtung, „Theology“ böte nun nicht mehr als den Unterhaltungswert einer vertonten Predigt, ist jedoch unbegründet. Denn „Gott sei Dank“ (ein in diesem Zusammenhang unverzichtbares Wortspiel!) gewährt auch das Buch der Bücher eine Interpretationsfreiheit, welche Sinead O’Connor in acht versöhnliche und ergreifende Eigenkompositionen über Spiritualität, Erkenntnis und eben die (Nächsten-)Liebe umzusetzen versteht.

Eine ihrer exklusiven Erkenntnisse ist dabei jene, dass der plump-fröhliche Boney M.-Mitgröhlverpflichter „Rivers Of Babylon“ in seinem tiefsten Inneren eigentlich ein rührendes Liebeslied ist, dem sie durch das Hinzufügen einiger eigener Zeilen eine nicht für möglich gehaltene Tiefe verleiht. Weiterhin vergreift sich die vielseitige Irin erfolgreich am Material von Curtis Mayfield („We People Who Are Darker Than Blue“) und Andrew Lloyd Webber („I Don’t Know How To Love Him” aus “Jesus Christ Superstar”). Vorgetragen werden sämtliche Titel von „Theology“ in zwei verschiedenen Versionen: Die „Dublin Sessions“ gleichen in ihrer minimalistischen akustischen Begleitung eher skizzenhaften Bleistiftzeichnungen, in den „London Sessions“ werden diese unter Zuhilfenahme elektronischer Klangerzeuger und kraftvoller, vielfältiger Instrumentierung farbig ausgemalt. Songs wie „Something Beautiful“ und „If You Had A Vineyard“ führen konsequent zurück zu ihren musikalischen Wurzeln, ihre Inspiration jedoch zieht sie hörbar nicht mehr aus der Wut und den Selbstzweifeln früherer Tage.

Milde und versöhnlich präsentiert sich die mittlerweile vierfache Mutter im Jahr 2007, ihre unvergleichliche Stimme verleiht damals wie heute jedem ihrer Lieder seine eigene erhabene Schönheit. Dank der gleich bleibend hohen kompositorischen Qualität der Titel und der konsequenten Besinnung auf ihre Stärken verdient sich „Theology“ in seinen intimsten Momenten tatsächlich das Prädikat „göttlich“ – auch wenn Sinead O’Connor selbst die Erste wäre, die eine solche Beurteilung als Blasphemie verurteilen würde!

Anspieltipps:

  • Something Beautiful
  • If You Had A Vineyard
  • Whomsoever Dwells
  • Rivers Of Babylon
  • I Don’t Know How To Love Him
Dieser Artikel ging am um 08:13 Uhr online.
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