Pelican - City Of Echoes - Cover
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Pelican City Of Echoes


  • Label: Hydra Head/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das für Musiker oftmals besonders tückische zweite Album hatte für die Post Rocker Trevor de Brauw (Gitarre), Laurent Lebec (Gitarre), Brian Herweg (Bass) und Larry Herweg (Schlagzeug) den Grundstein für eine längerfristige Karriere neben Acts wie Isis oder Neurosis gelegt. Der Doom und Sludge Metal infizierte Klangbrocken „The fire in out throats will beckon the thaw“ (09/2005) mäanderte zwischen Genialität und atmosphärischer Dichte umher, dass eine monatelange Beschäftigung vonnöten war um das Album dem Ohr erst einmal gefügig zu machen. Als sich dann bei solch bezeichnenden Songs wie „Autumn into summer“, „March into the sea“ oder „Aurora Borealis“ die Gedanken mit Farben füllten und eine prachtvolle musikalische Landschaft begann sich vor dem inneren Auge auszubreiten, wurde einem klar, dass diese Harmonien und kinofilmreifen, naturbezogenen Stimmungen das Beste sein werden, was man in diesem Jahr zu hören bekommen wird.

2 Jahre später krempeln Pelican ihr Konzept hinter der Musik komplett um - Die Natur weicht der Industrie, macht Platz für die Globalisierung. So hart das auch klingen mag, Lebec & Co. haben sich auf „City of echoes“ der Umsetzung der Sinneseindrücke auf Tour gewidmet, die der Titel laut de Brauw folgendermaßen reflektiert: „It sort of refers to the feeling you get that, although you go to a lot of different places, one of the effects of globalisation is that you see so many similarities from city to city.” Dieser Kurswechsel schlägt sich jedoch nicht nur musikalisch nieder, denn die acht neuen Kompositionen auf Album Nummer drei sind außerdem durchschnittlich kürzer ausgefallen als auf den Vorgängern. Waren dort spielend mehrere Tracks über zehn Minuten zu finden, so reichen Pelican dieses Mal maximal sieben um einen Song über die Zielgerade zu schicken.

Ob damit ebenfalls ein Statement auf die heutzutage vorherrschende, schnelllebige Gesellschaft abgegeben werden wollte, bleibt im Dunkeln. Fakt ist, dass sich die vierköpfige Truppe aus Chicago, Illinois auf „City of echoes“ erst einmal mit starken Reminiszenzen an die Vorgänger warm spielen muss, denn sowohl der Opener „Bliss in concrete“ als auch der Titeltrack bedienen sich am musikalischen Gut der ersten beiden Platten, was auf das Konzept des Outputs zurückzuführen ist. In „Spaceship broken – parts needed” sind diese musikalischen Rückblenden nur noch in Nuancen vorhanden und ab dem ruhigen, von den beiden Gitarristen akustisch eingespielten „Winds with hands“ rauschen Pelican mit einem erdrückenden, atemlos erscheinenden Riffwall in „Dead between the walls“ erst einmal meterhoch am Hörer vorbei. Danach wird es nicht minder leiser und sowohl „Lost in the headlights“ als auch „Far from fields“ bündelt die Stärken der Band in zwei großartige Songs vollgestopft mit purer instrumentaler Energie.

Den Abschluss bildet „A delicate sense of balance“, dass wieder mehr die kompositorische Herangehensweise des Vorgängers aufgreift und in subtilem Crescendo wie eine Urgewalt aus den Boxen bricht. Damit kommt das Quartett zwar nicht an das grandiose „The fire in our throats will beckon the thaw“ heran, mit der Weglassung der ersten beiden Stücke bleibt aber dennoch ein halbstündiges, umwerfendes Erlebnis voller Sehnsucht, Schmerz, Isolation, Wut und Angst. Und welche Band bringt diese Emotionen denn dermaßen präzise mit ihren Instrumenten auf den Punkt wie Pelican, ohne dabei auch nur ein Wort zu sagen?

Anspieltipps:

  • Far From Fields
  • Winds With Hands
  • Lost In The Headlights
  • Dead Between The Walls
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