Rotersand - 1023 - Cover
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Rotersand 1023


  • Label: Dependent/ALIVE
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Spätestens nach den Festivalauftritten beim Infest, dem M´era Luna Festival und dem Dark Dance Treffen sollte das Trio Rotersand den meisten Fans der düsteren Electrosounds ein Begriff sein. Mittlerweile bei Album Nummer 3 angelangt, haben Rasc, Krischan und Gun einen Senkrechtstart hingelegt, der mit der Debüt-EP „Merging Oceans“ (noch heute ein unkaputtbarer Club-Hit) und der Auszeichnung für den besten Newcomer 2003 im Szene-Magazin Sonic Seducer einen fulminanten Auftakt nahm. Die individuelle Mixtur aus EBM, Electro-Pop, Industrial und leichten (Industrial-)Rock-Elementen ließ die bisherigen Alben „Truth Is Fanatic“ und vor allem „Welcome To Goodbye“ (Electro-Album des Jahres 2005 im Zillo-Musikmagazin) eindringlich zünden.

Nun soll das Drittwerk „1023“ dort weitermachen und vielleicht sogar nochmal eine Schippe drauflegen. Benannt nach dem Zimmer eines heruntergekommenen, doch mystisch inspirierenden Detroiter Hotels, in dem die Drei während ihrer letztjährigen USA-Tour nächtigten, beginnt es mit dem Intro „1023 (Given Time)“ halbherzig und monoton. Akustik-Gitarren sollen vermutlich die dunklen Gesangspassagen und die Synth-Flächen auflockern, doch bleiben schließlich ziemlich mau und sträflich einfallslos gespielt. Vielleicht doch bei den Leisten bleiben, Schuster!

Und das tun Rotersand in der folgenden, knappen Stunde immer wieder. Schon bei „Rushing“ schlägt das Herz höher und die Beats schneller. Gebettet in einem old schooligen EBM-Kontext kommen die mitreißenden Synthesizer sowie ausufernde Melodien zum Zuge und sind kombiniert mit den hymnischen Zwischenparts und Rascs charakteristischen Gesang äußerst antreibend gestaltet. Da stören auch die Großraumdisko-kompatiblen Synthie-Fanfaren nur bedingt. Doch apropos Großraumdisko: Dem Vorwurf setzen Rotersand im Verlauf der CD dunklere Akzente entgegen, die bei „I Cry“ von atmosphärischen Gitarren eingeleitet werden und gut platzierte Trance-Elemente zum Vorschein bringen.

Es ist festzuhalten, dass Rotersand ein ordentliches Album vorlegen, dem tolle Momente nicht fehlen, aber zeitweise auch von Belanglosigkeiten und platten Electro-Standards eingeholt werden. So gewinnt „Shelter“ mit seinen doch arg in Richtung Safri Duo schielenden, schmalbrüstigen Tribal-Drums erst durch seine vielfältigen Breaks und die sich immer weiter entwickelnde Atmosphäre. Wären da nicht immer wieder diese aufdringlich beliebigen Synthesizer-Hooks, hätte „1023“ durchaus einen oberen Platz im Electro-Jahr 2007 verdient, doch so langt es nur für gehobenes Mittelmaß, was die dunklen Szene-Jünger erwartungsgemäß anders sehen werden.

Anspieltipps:

  • Rushing
  • Lost
  • I Cry
  • I Don´t Remember
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