Jupiter Jones - Entweder Geht Diese Scheussliche Tapete - Oder Ich - Cover
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Jupiter Jones Entweder Geht Diese Scheussliche Tapete - Oder Ich


  • Label: Mathildas & Titus Tonträger
  • Laufzeit: 43 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

In einer Zeit, in der unglaublich viel um den Kommerzwillens produziert wird, ist dieses Album ein melancholischer wie auch lebensbejahender Lichtblick.

Fingerspitzengefühl. Oscar Wildes angeblich letzten Worte auf dem Sterbebett standen Pate für den Titel des neuen Longplayers von Jupiter Jones. Und genau wie der berühmte irische Dichter, begeistert die deutschsprachige Indie-Band auf „Entweder Geht Diese Scheußliche Tapete – Oder Ich“ mit wortgewandt geistreichen Texten. Umhüllt von einer einzigartigen rockigen, punkigen und melodiösen Klangaura. Mit ihrem wunderbaren 2003er Debüt „Raum um Raum“ im Gepäck, wurden die vier Eiffelländer im Hinblick auf dessen Nachfolger, schließlich auch von den ganz großen Plattenfirmen umgarnt. Doch anstatt sich durch einen möglichen Majordeal in Massenkompatibles Fahrwasser zu begeben, entschloss sich die Band ihren neuen Streich auf dem hauseigenen Label Mathildas Tonträger zu veröffentlichen. Und das war eine anerkennenswerte wie auch richtige Entscheidung. Denn es mag zu bezweifeln sein, ob sich die Jungs bei einer anderen Plattenfirma ähnlich frei hätten austoben können und ob mit dem Anlegen marktstrategischer Fesseln, jemals ein solch tiefgängiges und eindrucksvolles Album das Licht der Welt erblickt hätte.

Jupiter Jones verpacken große Gefühle in gleichermaßen poetische wie Alltagstaugliche Texte und schaffen es scheinbar spielend leicht, ihr Debüt in Sachen Intensität und Authentizität zu übertreffen. Schon mit „Alleiner” offenbart das Quartett in beschwingter Art und Weise, wie der Auftakt einer brillanten Rockplatte klingen muss. Ohne Umschweife jagt der Jupiter Jones’sche Sound der Schallgrenze entgegen und der ungemein treibende Rhythmus manifestiert sich mit Nachdruck in des Hörers Gehörgängen. „Wir Sind Nicht Metallica” gehört zu einem der stärksten Songs die man bis dato von Jupiter Jones um die Ohren gehauen bekommen hat. Der schmissige Refrain, die Reibeisenstimme von Säger Nicholas Müller, sowie der anheizende Wumms dieses Liedes, lässt das Musikliebhaberherz Salti schlagen.

Bei der Gänsehautballade „Oh hätt’ Ich Dich Verloren“ beweisen die vier dann auch ihr begnadetes Gespür für die ruhigen Momente und verdienen sich hier völlig zu Recht ihren musikalischen Ritterschlag. Selten klingen emotionale Texte in deutscher Sprache so unkitschig und wahrhaftig wie hier. Ob voller Sturm und Drang auf dem Punkbeladenen „Land In Sicht” oder dem dezent gedrosselten, aber hymnisch ausufernden “Zwischen der Zeit”. Auch das locker aus dem Ärmel gerockte „Fulda, Horasplatz” und das zähnefletschende und wütende „Not Statt Böller” scheinen dermaßen aus dem Leben gegriffen, dass es schier unheimlich wirkt was die Herren Jupiter Jones hier veranstalten. “An Diesem Morgen” ist ein in rockigem Gewand daherkommender Popsong und genauso authentisch und eingängig, wie das fulminante, durch den Einsatz diverser Blasinstrumente, in epische Gefilde vorstoßende Finale „Weitergehn (Für Die Jungs, Vom Balkon, Auf Die Straße)”.

Diese Band feiert deutschsprachige Rockmusik auf ehrlichste Art und Weise! Packende, nachdenklich stimmende Texte gepaart mit einer ungeheuerlichen Energie an den Instrumenten. Mit „Entweder Geht Diese Scheußliche Tapete – Oder Ich” bestätigen Jupiter Jones die Einschätzung, dass sie mittlerweile zu einer der besten deutschsprachigen Bands gezählt werden müssen. Und in einer Zeit, in der unglaublich viel um den Kommerzwillens produziert wird, ist dieses Album ein melancholischer wie auch lebensbejahender, äußerst hell erstrahlender und dieser zweifelhaften Tendenz entgegen wirkender Lichtblick.

Anspieltipps:

  • Alleiner
  • Oh Hätt’ Ich Dich Verloren
  • Wir Sind Ja Schließlich Nicht Metallica
  • Fulda, Horasplatz
  • Weitergehn (Für Die Jungs, Vom Balkon, Auf Die Straße)
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