Architecture In Helsinki - Places Like This - Cover
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Architecture In Helsinki Places Like This


  • Label: V2 Records
  • Laufzeit: 32 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Sähe die Architektur in Helsinki aus, wie die Musik der sechs Australier klingt, so gäbe es dort seltsam verwinkelte Häuser ohne Dächer, unförmige Straßen aus quietschgrellem Bonbonpapier die ins Nichts leiten und allüberall bunte Schilder, die ausnahmslos in die Irre führen. Denn die Musik von „Architecture In Helsinki“ ist frei von Kompromissen an die Hörgewohnheiten des Musikliebhabers und sprengt mit Freude in jedem einzelnen Song sämtliche Fesseln, die ein Paket mit „erfolgreicher“ Musik im Innern für gewöhnlich umschließen. Fröhlich werden Elemente musikalischer Stilrichtungen auseinander genommen und neu zusammengesetzt - was nicht passt, wird passend gemacht.

Dass mit Isobel Knowles und Tara Shackell zwei Mitglieder der Originalbesetzung wegen "kreativer Differenzen" nicht mehr mitmusizieren dürfen, hat nicht zur Folge, dass die Instrumentierung weniger überbordend angelegt wäre als auf den Vorgängeralben. Immer noch klingen in jedem der zehn Lieder zahlreiche undefinierbare Töne mit, sorgen Richtungswechsel und schräge Einwürfe für Chaos. Anders als auf dem großartigen Vorgänger „In Case We Die“ wird dieses Durcheinander jedoch nicht immer durch ordnende Melodien aufgelöst. An „HeyHey’s“ und „WoohWooh’s“ wird auch in „Places Like This“ nicht gespart, doch dem runtergezählten Countdown folgt nicht zwangsläufig auch der erwartete Raketenstart. So beinhalten „Red Turned White“, „Feather In A Baseball Cap“ und „Nothing’s Wrong“ zwar immer wieder kreativ eingestreute Versatzstücke, zünden jedoch mangels dramaturgischer Entwicklung nicht wirklich. „Lazy (Lazy)“ - übrigens der Lieblingssong des kreativen Kopfes und Sängers der Australier, Cameron Bird - macht gar seinem Namen alle Ehre und pluckert träge am Hörer vorbei.

Doch „Places Like This“ ist alles andere als viel Lärm um Nichts, denn neben den benannten Reihenhäusern haben die Architekten auch wieder einige musikalische Paläste gebaut! Prachtvoll präsentiert sich neben dem unverschämt eingängigen und von karibischem Folkklängen inspirierten „Heart It Races“ vor allem „Like It Or Not“, an dessen Ende phantasievolle Zeitgenossen tatsächlich eine kleine Reminiszenz an die Ramones (Gabba Gabba Hey?) entdecken können. „Hold Music“ würde auch als einer der besseren Songs der B52’s durchgehen, „Debbie“ rockt die Stadt mit unwiderstehlichen Bläsersätzen. Den Abschluss dieses erschlagend fröhlichen Werkes konterkariert „Same Old Innocence“, dessen Ausklang ein einsames Klavier mit traurigen Tönen zelebriert. „Architecture in Helsinki“ haben mit „Places Like This“ eine farbenfrohe Großstadt errichtet, in der es Vieles zu entdecken gilt. Und die Schönheit eines solchen Ortes misst sich stets an seinen außergewöhnlichsten Plätzen, denn an dem was uns missfällt, können wir vorübergehen. Deshalb ist „Fake-Helsinki“ ein schöner Ort!

Anspieltipps:

  • Heart It Races
  • Hold Music
  • Like It Or Not
  • Same Old Innocence
  • Underwater
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