Miho Hatori - Ecdysis - Cover
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Miho Hatori Ecdysis


  • Label: Rykodisc/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist ja nicht so, dass aus Fernost keine Musik kommt. Bands wie Dir En Grey oder Künstler à la Gackt sind inzwischen dem ein oder anderen ein Begriff. Aber letztendlich verschwinden die Einflüsse die man sich von fremden Kulturen erwünscht in mal besser, mal schlechteren Versuchen den westlichen Rock zu imitieren. Es ist zwar nicht paradox, aber doch irgendwie folgerichtig, dass Miho Hatori zu den japanischen Musikern gehört die für Innovationen immer offen sind. Besonders nachdem sie eben nach New York gezogen ist. Der wirkliche Beginn ihrer Karriere trug den Namen „Cibo Matto“. Zusammen mit Yuka Honda musizierte sie kunterbunte Hip-Pop-Musik, die in immer größer werdenden Kreisen Kultstatus erreichte.

Das war 1996. Es sind zehn Jahre vergangen und jeder ging seine eigenen Wege. Während Honda sich auf eine Solokarriere konzentrierte hatte Miho viel zu viel Spaß daran Musik mit anderen Musikern zu machen. Ein zweites Projekt namens Butter08 entstand und Gastauftritte bei den Beastie Boys und insbesondere den Gorillaz ließen sie nie ganz von der Bühne verschwinden. Vom Rap weg bewegte sich Hatori auf das schwere Terrain eines „richtigen“ Sängers. „An japanischen Schulen wird dir nicht beigebracht wie man englische Wörter ausspricht.“, hatte sie einmal in einem Interview gesagt. Inzwischen hat sie diese Hürde für eine Japanerin mit Bravour genommen und gerade ihr leichter Akzent gibt ihrer Stimme die nötigen Schliffe aber auch Kanten. Nun schreiben wir das Jahr 2006. Miho nimmt endlich ihr erstes Album auf.

Ecdysis heißt der Longplayer und eben dieses Wort heißt Häutung. Überhaupt geht es in den Texten von Hatori viel um Veränderungen. Der gleichnamige Opener offenbart dem unschlüssigen Hörer sofort die Hauptelemente dieses Albums. Das Soloprojekt der Japanerin hat nichts mit Rap, HipHop oder extremen Spielereien zu tun. Miho Hatori setzt auf minimalistische Experimente. Ein schleppender, angenehmer Beat trägt das Stück um von allerlei Hintergrundtönen unterstützt zu werden. In den Mittelpunkt stellt sie Sängerin ihre Stimme was bei bösen Zungen an Björk-Nachahme erinnern könnte. Bei Miho spürt man im Gegensatz zur Skandinavierin aber viel mehr positive Energien. Besonders die Bossa Nova angehauchten Drums und Beats geben den Stücken immer wieder ein beinahe mystisches Flair. Besonders an der Single Barracuda lassen sich diese Einflüsse anmerken. Hier dürften auch letzte Rufe von wegen Nachahmung verblassen. Die Künstlerin macht einfach ihr eigenes Ding und wenn sie dann in forte „Don’t bite me now with your teeth of fear“ singt ist man voll und ganz überzeugt.

Einer der Höhepunkte ist auch ganz bestimmt „The Spirit Of Juliet“, welches mit einer Bläserinterlude eingeleitet wird. Mihos schwerer Gesang, der sich den verschobenen Klängen den Songs anpasst und die schwindende Posaune, sowie eine Harfe, die alles wie einen fernen Traum erscheinen lässt. Am Ende fühlt man sich Meter weit über dem Erdboden, nur um vom Sprechstück „Walking City“ zurück auf den Boden geholt zu werden (oder endgültig abzuheben). Hatori erzählt eine Sci-Fi-Geschichte, die immer durch einen am Rande des Rhythmus wandelnden Refrain unterbrochen wird. Letztendlich gewinnt auch dieses Stück an Melodie, ohne das diese aufdringlich wird. Die Atmosphäre wird dezent und doch kraftvoll gesteigert. Es passt einfach alles. „Sweet Samsara“ ist dann wirklich Bossa Nova. „Part I“ bündelt die bisher gehörten Eindrücke des Albums und sorgt für einen alternativen Popsong der besonderen Art. „Part II“ überrascht mit einem schnellen Grundrhythmus und gibt sich insbesondere im Refrain sehr tanzbar. In Sachen Innovation kann wohl nur noch „The River Of 3 Crossings“ als alternativer Popsong an Samsara heranreichen, welches durch die südländischen Einflüsse und die Akustikgitarre einfach nur eine unglaublich beruhigende Stimmung aufwirft.

Doch die Künstlerin verrennt sich hier keinesfalls. Es sind auch für das Ohr einfacher zu entdeckende Stücke auf der Platte. „A Song For Kids“, der einzige japanische Song auf Ecdysis, besticht mit seiner Wärme und seiner Einfachheit. Die Übersetzung des Textes macht das Lied gleich doppelt schön, da es dem Thema der Veränderung voll und ganz entspricht. Das ihrer Mutter gewidmete „In Your Arms“ hört sich auf diesem Silberling noch am ehesten asiatisch an. So ein Song ließe sich vielleicht auch auf einem „westlichen“ Album wieder finden, wenn auch der Stil des Liedes dem der anderen Songs nicht zu sehr entspringt. Für „Today Is Like That“ zählt so ziemlich dasselbe. Gerade diese Songs heben aber noch einmal Mihos wirklich schöne Stimme hervor, die einen eigenen Charakter hat. Den Schlusspunkt setzt das gerade mal zweiminütige „Amazona“. Ein lieblicher Abschluss voll des Miho’schen Bossa Nova, der die letzten 40 Minuten den Hörer begleitete.

Anspieltipps:

  • Barracuda
  • The Spirit Of Juliet
  • Sweet Samsara Part II
  • The River Of 3 Crossings
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