Interpol - Our Love To Admire - Cover
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Interpol Our Love To Admire


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir sind die Gazelle, hoffnungslos verloren in dieser Musik, die verführerisch den Weg zum Abgrund beleuchtet. Und wer jetzt nicht springt, springt nie.

„Zwei Raubtiere und eine hoffnungslos verlorene Gazelle als Beute zieren das Cover von „Our Love To Admire“. Der Himmel verdunkelt sich. Vorhang auf für Interpol. Viermal, so war zu vernehmen, haben sich die Jungs aus New York nach ihren gleichermaßen und doch sehr verschieden großartigen Werken „Turn On The Bright Lights“ und „Antics“ aufgelöst. Um sich letztlich doch zu entscheiden, den Kampf mit sich selbst aufzunehmen, mit der Bürde zweier möglicherweise unübertrefflicher Alben zu leben und sich der Gefahr zu stellen, von ihrer eigenen Vergangenheit gefressen zu werden.

Vorsichtig nähern sich Interpol in den ersten Tönen von „Our Love To Admire“ ihrem eigenen Schatten, und doch erzählt „Pioneer To The Falls“ auf seinem Weg von einer verhaltenen Melodie zu einem epochalen, atmosphärisch dichten Songgebilde von nahezu sämtlichen musikalischen Eigenheiten der New Yorker. Dominante Basslinien, verspielte Gitarren, und charismatischer Gesang harmonieren makellos, deutlich stärker als auf ihren bisherigen Alben wird die elegische Stimmung durch den intensivierten Einsatz von Keyboards und Synthesizern heraufbeschworen. So viel ist mal sicher, ihren Sinn für die vollendete Dramaturgie haben die Jungs auch auf „Our Love To Admire“ nicht verloren. „There’s No ‚I’ In Threesome“ und „The Scale“ vertiefen die eingeschlagene Richtung meisterlich, bevor „The Heinrich Maneuver“ einen krachenden Verweis auf die Ursprünge der Band im PostPunk liefert. „Pace Is The Trick“ wird vielschichtig und aufwühlend von der Leadgitarre getrieben, nahezu apokalyptisch (und zugegeben, auch ein wenig eintönig) mutet dagegen „All Fired Up“ mit der sich beschwörend wiederholenden Textzeile „You see I've got this soul, it's all fired up” an.

Und an einer Stelle, an der nach so viel Qualität durchaus auch mal Platz für einen Füller gewesen wäre, steht mit „Rest My Chemistry“ ein Titel, der auch ohne opulente Instrumentierung und Pathos zu einer Hymne gedeiht, wie sie derzeit wohl nur Interpol zu schreiben vermögen. Experimentell gerät der Abschluss dieses Meisterwerks mit „Lighthouse“, einem Klagelied von ungeheurer Intensität. Der rätselhafte Ausklang eines Meisterwerks, an dessen Ende uns trotz aller Düsternis ein Licht aufgeht. Wir sind die Gazelle, hoffnungslos verloren in dieser Musik, die verführerisch den Weg zum Abgrund beleuchtet. Und wer jetzt nicht springt, springt nie.

Anspieltipps:

  • Pioneer To The Falls
  • No I In Threesome
  • Pace Is The Trick
  • Rest My Chemistry
  • The Lighthouse
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