Radiohead - Pablo Honey - Cover
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Radiohead Pablo Honey


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein unterm Strich gutes Debüt, das mit diversen Schwächen zu kämpfen hat.

Bei BritPop- und Rock denkt man oft an verträumte Gitarren, eher seichten Gesang und durchgängige simple Melodien, die den Hörer fesseln sollen. Am Anfang ihrer Karriere scheinen Radiohead genau diese Kriterien ansprechen zu wollen. Da reiht sich Song an Song, der versucht mit ausgefallener und aggressiver Gitarre zu gefallen, am Ende aber mit dem Wohldurchdachten Refrain steht und fällt. Eine klassisch aufgebaute Brit-Band wie sie im Buche steht. Ob die inzwischen recht experimentellen Jungs um Thom Yorke es gerne hören oder eher nicht. Mit „Pablo Honey“ schufen sie genau das, was sie nie so wirklich direkt machen wollten: Musik für die Massen.

Bis zum fünften Song ist die Musik leicht erklärt. Die schon beschriebenen, weichen Gitarrenklänge füllen den Raum um die sanfte Stimme des Sängers zu unterstützen und der ein oder andere Gitarrenausraster sorgt für die nötige Abwechslung. Der bekannte Hit „Creep“ fällt keineswegs aus diesem Schema, besticht lediglich mit der dichtesten Atmosphäre und der am meisten ausgereiften instrumentalen Leistung. Das ist alles solide, aber nichts Besonderes. „Thinking About You“ klingt, beinahe allein von der Akustikgitarre getragen, wie eine Ode an U2. Eigenleistung ist hier minimal und man sucht vergebens nach wirklich interessanten Tönen. Die erste Hälfte wird dann von dem stärkeren „Anyone Can Play Gutiar“ beendet, welches wieder mit einer starken Stimmung überzeugt, auch wenn der Song am Ende doch einen Tick zu viel Pop bekommt.

„Ripcord“ zeigt, dass eigentlich keine zweite Hälfte beginnt, sondern die erste fortgeführt wird. Der Song könnte glatt der zweite Teil des Vorstücks sein. Glücklicherweise verkommt dieser am Ende nicht zu sehr zum Popsong. Dann findet man da noch Songs wie „Vegetable“ und „Lurgee“, die sich weder als Experiment, noch als abgestimmte Popnummer entfalten. Der Fan kann es dankbar als Ansatz für zukünftige Werke sehen. Es finden sich aber auch Lieder wie „I Can’t“ die die britische Musik wieder variabler darstellen. Von vorne bis hinten ein wohl durchstrukturiertes Stück, dass keine Spannung hergibt oder in Langeweile zerfließt. Das ist solide, das ist gut, wie schon der Anfang des Albums. Der Schlusspunkt „Blow Out“ unterstreicht mit seinen ruhigeren Klängen und der Dichtheit noch einmal die Fähigkeit der Band viel in einen Song stecken zu können.

Ein unterm Strich also gutes Debüt, welches nun einmal mit diversen Schwächen zu kämpfen hat und an keines der Nachfolgewerke anknüpfen kann. Es ist als der Anfang von etwas Großem zu betrachten. Singles wie „Creep“ beweisen das Talent wunderschöne Melodien aus dem Ärmel zaubern zu können, auch wenn öfters der Funke gar nicht zu Stande kommt. Jetzt liegt das Album aber auch gute 14 Jahre in den Regalen der Hörer und damals hatte die Platte vielleicht noch mehr Charme. Man (und damit darf sich auch die Band selbst angesprochen fühlen) wollte vielleicht einfach ein kompatibleres Radiohead als es heute der Fall ist.

Anspieltipps:

  • You
  • Creep
  • Ripcord
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