Mark Medlock - Mr. Lonely - Cover
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Mark Medlock Mr. Lonely


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 53 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Jetzt ist es da, das ersehnte Album des Gewinners der vierten Staffel des Casting-Show-Marathons „DSDS“ bzw. „Deutschland sucht ein One-Hit-Wonder“. Mark Medlock (28) ist der Nachfolger von Alexander Klaws (1. Staffel), Elli Erl (2. Staffel) und Tobias Regner (3. Staffel), stammt aus Frankfurt und ist ehemaliger Hartz-IV-Empfänger. Spitze! Da gönnt man dem Burschen den Sieg natürlich gleich doppelt. Denn finanziell dürfte Herr Medlock zumindest temporär wieder festen Boden unter den Füßen haben. Doch das verdiente Geld sollte er gut behüten, zu einem echten Superstar ist nämlich noch kein Teilnehmer der RTL-Show aufgestiegen.

Trotz gesunkener Einschaltquoten gilt „Deutschland sucht den Superstar“ weiterhin als TV-Hit. Die diesjährige Finalshow, bei der über 75% aller Stimmen auf Mark Medlock entfielen, schalteten knapp sechs Millionen Zuschauer ein, die sich gegen den späteren Zweiten Martin Stosch entschieden und für die soulige Stimme aus Hessen voteten, die der von Lionel Richie unverschämt nahe kommt. Insofern hat Mark Medlock durchaus ein Kapital vorzuweisen, mit dem sich einiges anfangen lässt.

Wie nach einer DSDS-Staffel üblich, darf keine Zeit vertrödelt werden, bis der Sieger mit seiner ersten Single und wenig später mit einem Album am Start ist. In Deutschland gibt es für solch dringende Fälle keinen Besseren als Dieter Bohlen, der alle Stücke für das Debütwerk „Mr. Lonely“ geschrieben und produziert und mit Medlocks Debütsong „Now or never“ wieder einen echten Bohlen rausgehauen hat. Das Stück (nach einer Woche mehr als 150.000 Mal verkauft) ist ein Musterbeispiel für die, nennen wir es mal vorsichtig, „aufgeschlossene Komponierkunst“ des Modern-Talking-Masterminds. Da werden gekonnt die Harmonien verschoben, das Tempo geändert und am Ende entsteht ein gnadenlos eingängiges Lied, das bei genauem Hinhören aus Teilen des 1995er Take-That-Hits „Back for good“ und dem australischen Volkslied „Waltzing Mathilda“ (auch bekannt in Versionen von Tom Waits und Rod Stewart) besteht. Wer möchte, sollte deshalb ruhig auch mal „Just like heaven” mit Stevie Wonders „That what friends are for“ und „Sad sad story“ mit Milli Vanillis (!!) „Girl I’m gonna miss you” vergleichen. Das ist so dreist, dass es eigentlich schon wieder genial ist.

Zugegeben, es ist nicht auszuschließen, dass diese Feststellung einem Selbstzitat gleich kommt, das sich durch sämtliche Rezensionen des Autors mit Bohlen-Beteiligung zieht. Aber die schlagerartigen Kompositionen Dieter Bohlens bewegen sich auf peinlichstem Niveau, klingen immer gleich und beziehen die wenigen guten Ideen aus fremder Feder. Das wird dem guten Mark, der seine Vocals in rekordverdächtigen vier Tagen eingesungen hat, wahrscheinlich gar nicht aufgefallen sein. Und jetzt hat er den Salat aus schmalzigen Soulballaden („Only a fool“, „Seven days“, „Mr. Lonely“) und zweitklassigen Popsongs („You’re so beautiful“, „Oh Sarah“), die, wenn sie tanzbar sein sollen, maximal Ballermann-Niveau erreichen („I miss you“) und mit öden „ooh, ooh, baby”-Texten nerven. Damit kommt es wie immer, wenn der Pop-Titan™ seine Finger im Spiel hat: Der Künstler kann sich nicht wehren und singt sich mit Bohlen-Schrott um Kopf und Kragen. Dabei ist Mark Medlock ein hervorragender Sänger mit jeder Menge Soul in den Stimmbändern. Hoffentlich findet auch er bald den Absprung.

Anspieltipps:

  • Seven days
  • Now or never
  • Relax your heart
  • Everytime you go away
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