Ohrbooten - Babylon Bei Boot - Cover
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Ohrbooten Babylon Bei Boot


  • Label: JkP/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer von uns kennt das im Moment nicht: Das Quecksilber steigt und steigt, die Sonne brennt uns auf den Pelz und man kann sich glücklich schätzen ein schattiges Plätzchen zu ergattern, an dem es wenigsten halbwegs ertragbar ist. Was fehlt da noch zum allgemeinen Wohlbefinden? Richtig, ein kühler Drink, vielleicht ein gutes Buch und die passende Musik. Genau da kommt das neue Werk der Ohrbooten ins Spiel. Die Jungs aus Berlin, die auf dem von den Toten Hosen bekannten Label JKP erscheinen, liefern mit „Babylon bei Boot“ einen der Soundtracks für den Sommer. Da schallt dem Zuhörer feiner Reggae irgendwo zwischen Culcha Candela, Gentleman und dem altehrwürdigen Bob Marley entgegen, der geradezu auf die hohen Temperaturen zu warten scheint – aber alles der Reihe nach.

Nachdem dem Erstlingswerk „Spielbetrieb“ aus dem Jahre 2005 schon beachtliche Erfolge beschienen waren, machen sich Matze, Ben, Noodt und Onkel nun auf zu neuen Ufern. Insgesamt ist der Neuling vielseitiger als sein Vorgänger, es finden sich neben dem erwähnten Reggae auch balladeske („Zehn kleine Menschlein“), orientalische („Bewegung“) und relativ poppige („Number One“) Songs auf der Scheibe. Der Titeltrack („Babylon bei Boot“) ist ein passender Opener, bedient eher die langsame Gangart und zeigt trotz der oben beschriebenen Ausnahmen direkt zu Anfang die musikalische Ausrichtung der Platte an. Weiteres Highlight ist „Keine Panik“ für das sich die Ohrbooten Verstärkung von Johnny Strange, seines Zeichens Vokalist bei Culcha Candela, mit ins Boot holen, was für den Song eine klare Bereicherung darstellt. Ein krasser Gegensatz findet sich im letzten Track „Meerchen“, der ganz entspannt, allein mit dem Piano und tollem Berliner Dialekt, die Scheibe beendet.

Neben diesen musikalischen Besonderheiten beweisen die Jungs erfreulicherweise auch, dass vor allem die textliche Dimension nicht zu kurz kommt. „Alle gegen Alle“ ist ein durchaus sozialkritischer Track, der beschreibt, wie im Hier und Heute ein Jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, „Zehn kleine Menschlein“ erinnert zwar an einen ähnlich klingenden Track der Toten Hosen womit die Gemeinsamkeit aber auch schon wieder endet: Dieser Song ist einfach genial, vermag er es doch, Religionskritik auf intelligente Weise und ohne jegliche Platitüden darzustellen.

Es gibt nicht viele Schwächen, die man diesem Album nachsagen kann. Es braucht etwas Geduld, bis man sämtliche Dimensionen der einzelnen Songs begriffen hat, einmal hören reicht hier wohl nicht. Außerdem wird es eingefleischten Reggae-Fans an der einen oder anderen Stelle zu viele Mainstream-Elemente beinhalten, die letztlich dem persönlichen Geschmack entsprechen müssen. Insgesamt ist den Ohrbooten mit „Babylon bei Boot“ aber ein großer Wurf gelungen, der die Strände und Seen in diesem Sommer bestimmt bereichern wird. Das Album ist rund, macht Spaß und ist intelligent – das passt einfach.

Anspieltipps:

  • Babylon bei Boot
  • Bewegung
  • Keine Panik
  • Zehn kleine Menschlein
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