Justice - Cross Symbol - Cover
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Justice Cross Symbol


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es vibriert, oszilliert, stampft, bebt, kratzt, hämmert und flimmert. Die Offenbarung am elektronischen Sektor, schlicht „†“ (oder „Cross symbol“) betitelt, dürfte 2007 wohl nur schwer zu schlagen sein. Keines in den letzten Monaten erschienene Album dieses Genres war dermaßen zupackend, fesselnd und erfrischend zugleich wie das Debüt des französischen House-Duos Gaspard Augé und Xavier de Rosnay alias Justice. Bereits das konzeptuell betitelte „Genesis“ (die zwei Herrschaften spielen gerne mit sakraler Symbolik) fährt mit Bombast und Epik auf, die ihresgleichen sucht. Im wahrsten Sinne des Wortes schlagen die Franzosen mit Pauken und Trompeten auf den Hörer ein, bis nach etwa einer halben Minute das Sound-Inferno aus kratzenden Beats, wummernden Bässen und genialen Breaks hereinbricht.

„Let there be light“ schlägt nach einem sowohl nahtlosen als auch genialen Übergang einen wesentlich minimalistischeren Weg ein und konzentriert sich mehr auf die tieftönenden Frequenzen, die für einen stroboskopinfizierten Tanzrhythmus sorgen, während „D.A.N.C.E.“ in der nächstgelegenen Indie-Disco die Hüften schwingen lässt und erstmals Vocals aufweist. Mit einer ganzen Tonne an hakenschlagendenden Breakbeats geht es in „New jack“ weiter, das dem eingeschlafenen Big Beat-Genre zeigt, wo der Hammer hängt, bis das zweigeteilte „Phantom“ mit seinen insgesamt 7½ Minuten durch gewagtes Sampling in die experimentelle Schiene ausbricht ohne anstrengend oder behäbig zu sein. Das erledigt der Track „Valentine“ mit dem anschließenden „Tthhee ppaarrttyy“, da ersterer durch die halbierte bpm-Anzahl trotz Ambient-Synthies das Tempo eindeutig zu stark drosselt und das Feature mit Labelkollegin Uffie plus fröhlich slappender Funk-Gitarren einfach zu spät wieder an Fahrt aufnimmt und somit mehr ein Lückenbüßer ist, der als Übergang für „Dvno“ herhalten muss.

Glücklicherweise rettet dieser das Album vor dem Abflauen und breitet den roten Teppich für das bezeichnende „Stress“ aus, das sich anhört als würde ein ganzer Bienenschwarm nervös um einen herumkreisen. Doch der Höhepunkt der Platte erklingt erst mit dem von Störtönen durchsetzten „Waters of Nazareth“, worauf hinaus sofort alle Glieder zu zucken beginnen. Kaum zu glauben das dieses Stück bereits 2 Jahre auf dem Buckel hat, denn von seiner Faszination und rhythmischen Eleganz hat es keinen einzigen Funken verloren. Nach dieser schweißtreibenden Achterbahnfahrt haben Justice natürlich einen stilleren Rausschmeißer wie „One minute to midnight“ gewählt, der den Hörer behutsam wieder an den Anfang von „Genesis“ setzt, damit der nächste vibrierende, stampfende und kratzende Trip eingeworfen werden kann. „†” macht’s mit seiner makellosen und glasklaren Produktion möglich.

Anspieltipps:

  • Dvno
  • Genesis
  • New Jack
  • Let There Be Light
  • Waters Of Nazareth
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