Prince - Planet Earth - Cover
Große Ansicht

Prince Planet Earth


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Irgendwie merkwürdig, was da mal wieder im Hause Prince passiert. Denn der ehemalige (selbsternannte) Sklave der Schallplattenindustrie scheint seinen alten Hass auf die Majors wiederentdeckt zu haben. Oder ist es nur seine diebische Freude an verrückten Ideen, die ihn dann und wann antreibt? Es darf gerätselt werden, da sachdienliche Informationen zum jetzigen Zeitpunkt noch Mangelware sind. Aber was ist eigentlich passiert?

Als einer der größten Popstars der 80er und 90er Jahre schleudert Prince mit „Planet Earth“ völlig untypisch ohne besondere Ankündigung, einfach so von heute auf morgen, eine neue Platte auf den Markt – diesmal über Columbia/SonyBMG wie schon sein Comebackalbum „Musicology“ aus dem Jahr 2004. „3121“ aus dem vergangenen Jahr erschien bei Universal Music –, die ohne Booklet, Texte, Songtitel und andere Selbstverständlichkeiten auskommen muss und garniert den Spaß obendrein mit 2,9 Millionen kostenlos verbreiteten CDs über eine englische Wochenzeitung. Und zwar VOR dem offiziellen Veröffentlichungstermin. Darüber freut sich bestimmt jeder Labelboss. Garantiert! Viel besser lässt sich die Ware Musik nämlich nicht entwerten, als sie mir nichts dir nichts zu verschenken. Und das nach dem ganzen Theater um illegales Downloaden und File-Sharing. Wo steckt hier die Botschaft, außer dass es besser ist, etwas zu verschenken, als sich beklauen zu lassen?

Man könnte sich nun den Kopf darüber zerbrechen, oder „Planet Earth“, immerhin das 24. Album des kleinen Prinzen, einfach in den Player schieben, auf sich wirken lassen und einen Blick in das poppig-bunte Digipack werfen. Darin finden sich wenigstens ein paar Randnotizen zum Entstehungsprozess. Etwa dass die gute alte New Power Generation vollzählig an Bord ist oder dass die heilige Dreifaltigkeit Wendy, Lisa und Sheila E. sich mal wieder im Paisley Park hat blicken lassen. Und den Rest erledigt dann der Silberling in 45 Minuten. Denn darauf befindet sich typische Prince-Ware, also eine Mischung aus R&B, Funk, Pop, Rock und Soul. Nicht so versaut wie früher, aber immer noch ziemlich sexy („Mr. Goodnight“), musikalisch selbstredend auf höchstem Niveau, wenn auch nicht mehr ganz so spannend. Aber damit haben wohl die meisten Künstler zu kämpfen, wenn sie seit Dekaden Album um Album abliefern.

So bleibt es dem Hörer überlassen, seine Favoriten aus den zehn „Planet Earth“-Songs herauszupicken. Dazu wird sicher nicht der schwurbelige Titeltrack zählen, aber ganz bestimmt das unverschämt groovende „Chelsea Rodgers“ und „Guitar“ als treibender (nicht ganz Funk-)Rocker. Dazu kommen „The one u wanna c“ als fröhliches Allround-Pop-Liedchen, das mit Leichtigkeit ins Ohr geht, sowie „Somewhere here on earth“ als klassischer Kuschel-R&B – formerly known as Fuck-Music – unterstützt von den unwiderstehlichen Blasmusikkünsten eines Maceo Parker. Über nicht so aufregende Stücke wie „Lion of Judah“ und „Future baby mama“ denken wir dagegen nicht näher nach und deklarieren „Planet Earth“ als grundsolides (Übergangs-)Album eines leicht verpeilten Genies.

Anspieltipps:

  • Guitar
  • Resolution
  • Mr. Goodnight
  • Chelsea Rodgers
  • All the midnights in the world
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
7.5/10

Colors
  • 2017    
Diskutiere über „Prince“
comments powered by Disqus