Speaker Bite Me - Action Paiting - Cover
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Speaker Bite Me Action Paiting


  • Label: Morningside/CARGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Bandname Spiker Bite Me wird einigen Besuchern dieser Seite sicher nicht viel sagen. Klar, denkt man sich beim Beschauen des Musikgenres, wie denn auch bei einer Band, die gerade neu ist und auf den trendigen Indie-Zug der Gegenwart aufspringen will. Doch da hat man bei den 4 Dänen falsch gedacht: Vor sage und schreibe 10 Jahren erschien ihr Debutalbum „Inner Speed“. 2000 stand die Band kurz vor dem aus, verkündeten sie doch ihren letzten gemeinsamen Auftritt beim Roskilde-Festival diesen Jahres. Doch die Indie-Rocker rauften sich zusammen, und nach einigen Soloprojekten steht nun ein neuer Longplayer in den Plattenläden. Hat sich der steinige Weg in Richtung dieses Albums „Action Paiting“ auch wirklich gelohnt?

Der erste Song „Fistful of air“ verrät nur soviel, als dass man sich viel Zeit nehmen muss für diese Platte, denn es handelt sich um eine sehr bizarre, skurrile Art von Musik. Der Bass-Beat bleibt fast über das ganze Stück hinweg gleich und ein penetranter, synthetischer Bläserton macht für jede kurze Pause seinerseits dankbar. Nach dieser schweren Kost wünscht man sich erst einmal ein bisschen Erholung, doch die Schwermütigkeit in „Crazy Horse“ nimmt nicht ab, im Gegenteil. Bedrohliche elektronische Verzierungen heben den Angst einjagenden, tiefen Gesang von Signe Hoirup-Wille Jorgensen hervor und bauen eine merkwürdige Spannung auf. Man hat die Vermutung, dass bald etwas Unerwartetes, Großes passiert. Und ja, das tut es, denn der Song steht plötzlich aus seiner lauernden Haltung auf und schlägt wild um sich: hektischer Duettgesang und dissonantes, lautes Instrumentalspiel hämmern auf den Hörer ein - eine mächtige Wendung, mächtig disharmonisch.

Der Hörgenuss für die Ohren nimmt mit „Belle de Boskoop“ dann aber deutlich zu, dass zwar mit Xylophon-Geklimper auch experimentell klingt, aber bei dem die eigentlich schönen Stimmen der beiden Sänger durch die etwas zugänglichere Melodie besser hervorkommen. Auch „Bongo Bizarre“ mit den ruhigeren elektronischen Spielereien oder die poppigeren „What about you“ und „Tiger teach me“ stehen der Band besser zu Gesicht als die zu anstrengend und dunkel wirkenden „War is over“ und das episch-lange „Landscapes can move themselves“. In „Bongo Bizarre“ harmonieren die männliche und weibliche Stimme in faszinierender Weise miteinander: sie sind so fest miteinander umschlungen, dass sie wie eins klingen. „Tiger teach me“ ist so etwas wie der Glanzpunkt der Platte, um den sich die anderen Songs aufbauen. Die interessanten Orgelklänge und der leidenschaftliche Gesang beweisen das Potential dieser Band und zeigen, dass sich auch Unkonventionelles in einem Kopf festsetzen kann und einen nicht mehr loslässt.

Mit den beiden letzten Songs „Seagulls Chasing Cars“ und „Balcony Girls“ fällt die Stimmung dann wieder in die bedrohliche und düstere Kulisse zurück, die man eigentlich schon Leid war. Eine wahre Berg- und Talfahrt liegt hinter uns: schöne und mitreißende Indie-Klänge wurden immer wieder durch wahre Drohgebärden in Form von düsteren, dissonanten Songs unterbrochen. Aufgewühlt muss man diese Erlebnistour erst einmal Revue passieren lassen und die vielen Eindrücke verkraften. Mit Blick auf die Einstiegsfrage lässt sich festhalten, dass eine Band, die solch ein Gefühl bei den Hörern zurücklässt, durchaus in den Musikzirkus gehört.

Speaker Bite Me bleiben mit diesem Album ihrer Linie treu , müssen sich aber weiterhin darauf einstellen, dass ihre Musik zu unzugänglich für die breitere und auch für die mittelbreite Masse bleiben wird und man ihre CD vorzugsweise an einsamen, kalten Herbsttagen in den CD-Player legt. Eine kleine Prise mehr Pop würde den Dänen hier und da vielleicht gut tun, ohne dabei den experimentellen Stil zu sehr einzuschränken – einige Songs dieser Platte machen es vor.

Anspieltipps:

  • Belle de Boskoop
  • Bongo Bizarre
  • Teach me Tiger
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