Lillian Axe - Water Rising - Cover
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Lillian Axe Water Rising


  • Label: Locomotive Records
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Lang, lang hat es gedauert, bis die Jungs von Lillian Axe ihr neues Studioalbum hinbekommen haben. Die fast schon axlroseske Zeitspanne von 14 Jahren ist seit ihrem 1993er Werk „Psychoschizophrenia“ vergangen und vom ursprünglichen Line-Up ist eigentlich nur noch Gitarrist Steve Blaze übrig geblieben, trotzdem freut sich der geneigte Verfasser dieser Zeilen wie ein kleines Kind. Schließlich gelten die vier bisherigen Alben von Lillian Axe als absolute Geheimtipps voller haarspraygetränkter Rockhymnen. Besonders „Love + War“ aus dem Jahre 1989 ist ein unerreichter Klassiker, der heutzutage nur noch gebraucht zu horrenden Preisen zu erstehen ist. Neben der erstklassigen Musik hat die Scheibe auch noch ein feines Cover mit einer überaus geschmackvoll arrangierten Schönheit zu bieten.

Zumindest dies ist eine Qualität, die das neue Album „Waters Rising“ nicht besitzt. Das Cover ist nämlich ohne Übertreibung eines der hässlichsten dieses Jahres. Amateurhaft wurde die Band mittels einer Photoshop Demoversion in einen schäbigen Hintergrund geklatscht, der wohl eine Reminiszenz an die Teekränzchen-Szene aus „Alice im Wunderland“ darstellen soll. Die Herren Musiker sehen dabei so neben der Kappe aus, als hätten sie selber einige der sie umgebenden Pilze verköstigt. Andererseits, das Cover ist doch eigentlich wurscht, die Musik muss passen! Und hier machen Lillian Axe (fast) alles richtig.

Auch anno 2007 sind Lillian Axe natürlich in erster Linie eine Hardrock-Formation. Doch obwohl man der Musik anhört, dass die Jungs damals in den 80ern anfingen, klingt das Ganze doch niemals altbacken. So überzeugt der Opener „Waters Rising“ gleich mit ordentlich Power und viel Frische. Debütant Derrick LeFevre macht seinen Job am Gesangsmikrofon sehr gut und macht somit den Verlust des Goldkehlchens Ron Taylor, der alle anderen Alben einsang, mehr als verschmerzbar. Aber auch die anderen leisten ganze Arbeit, allen voran lässt Altmeister Steve Blaze bei seinem Solo wieder ordentlich die Saiten qualmen. Auch der folgende Stampfer „Antarctica“ macht mit seinem doomigen Riffing alles richtig.

Einen kleinen Ausfall gibt es mit dem etwas simplen „Become A Monster“ zu vermelden, der nicht mehr als solide Hausmannskost ist. Bei „I Have To Die Goodbye“ passiert dann endlich das, worauf man schon die ganze Zeit wartet: Die Akustikgitarre wird ausgepackt. So gut die schnelleren Songs von Lillian Axe auch sind, die wahre Krönung aller bisherigen Alben waren immer die finessenreich arrangierten Powerballaden. Zum Glück ist das auch bei „Waters Rising“ nicht anders. Sowohl „I Have To Die Goodbye“ als auch „Until The End Of The World“ und “Fields Of Yesterday” gehören zu den absoluten Glanzstücken ihrer Gattung. Wunderschöne Melodien, geile Soli und ein spannender Aufbau lassen nie Langeweile aufkommen, übrigens unterschreitet auch keiner der drei Songs die Fünf-Minuten-Marke.

Doch auch fast alle restlichen Titel haben einiges zu bieten. Da gibt die mit mehrstimmigen Refrains ausgestatte Nummer „Fear Of Time“ oder das sehr harte „Thirst“, welche beide ordentlich die Rübe zum Schwingen bringen. Einzige weitere Enttäuschung ist das sperrige „The 2nd Of May“, dass einfach nicht hinein in das Ohr will. Bei „Deep In Black“ wird dann noch einmal über acht Minuten dramatisch rumgegroovt, bis es dann beim instrumentalen Fun-Track „5“ wieder Abschied nehmen heißt. Es bleibt zu hoffen, dass Lillian Axe bis zu ihrem nächsten Album nicht wieder 14 Jahre brauchen. Denn abschließend sei jedem Fan klassischen Hardrocks noch einmal die Empfehlung ausgesprochen, mal ein Ohr bei Lillian Axe zu riskieren, jeder Fan wird sich das Album sowieso besorgen müssen.

Anspieltipps:

  • Waters Rising
  • Fear Of Time
  • Fields Of Yesterday
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