Recoil - Subhuman - Cover
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Recoil Subhuman


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Beim Namen Alan Wilder kommen einem immer wieder Depeche Mode und deren Heldentaten in den Sinn, wobei er sich mittlerweile völlig von seiner Vergangenheit in besagter Megaseller-Band emanzipiert hat und mehr als einen Augenaufschlag in Sachen Kreativität sowie Bedeutungskraft gegenüber seinen Ex-Kollegen voraus hat. 1995 reanimierte Alan Wilder sein intensives Klangerlebnis namens Recoil als Fulltime-Herausforderung und brillierte bis zum Jahr 2000 mit zwei atmosphärischen wie betörend industriellen Werken, die sich ihrer Sache sehr sicher sein konnten und als „Unsound Methods“ sowie „Liquid“ betitelt die Kritikerherzen höher schlagen ließen. Nicht unwesentlich waren dabei Gäste wie Douglas McCarthy (Nitzer Ebb), Diamanda Galás, Nicole Blackman und Moby in das unweigerlich tief greifende Material involviert und konnten den intelligenten Klanglandschaften eine weitere Facette bieten.

Nach sieben langen Jahren liegt nun Longplayer Nr. 5 „subHuman“ vor – ein Album, das sich in seiner dunklen, nahezu abgrundtiefen Verfassung durch die Mitarbeit des Blues-Musikers Joe Richardson (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) auszeichnet. Paul Kendall, Hepzibah Sessa (Wilders Ehefrau), Richard Lamm und John Wolfe guckten auch öfters in den Texas Treeford Studios vorbei, um den Meister der verschachtelten Beats und modifizierten Orchester-Beigaben zu unterstützen. Beim Opener und gleichzeitig erster Single „Prey“ fällt dem erwartungsvollen Konsumenten dann folgerichtig die organische Machart auf, der vor allem Joe Richardson seinen markanten Stempel aufdrückt. Seine tiefe Stimme ist zusammen mit vereinzelten Percussion-Schlägen und dem virtuosen Mundharmonika-Spiel das erste, was am Album auffällt und einem für die kommende Stunde immer wieder begegnet. Doch Alan Wilder wäre nicht Alan Wilder, wenn er seine komplexen, downbeat-lastigen Electro-Soundscapes außen vor lassen würde.

Es braucht seine 10 Hördurchgänge, um in den vermeintlich schwierigen Arrangements markanten Melodien und entspannte Beats zu finden. Diese gibt es jedoch zuhauf und bieten eine Spannung, die bis zum letzten Ton anhält. „Allelujah“ driftet stark in Ethno-Gefilde ab, die dank der bei zwei Songs ihre mystische Klangfarbe einsetzenden Sängerin Carla Trevaskis gelungen angesteuert werden und in bester Trip Hop-Manier weite Welten eröffnen. Und so meldet sich Recoil mit einem starken Album zurück, das jedoch vor allem was die stimmliche Abwechslung betrifft nicht mit Großtaten wie „Liquid“ verglichen werden kann und in der Gesamtwertung ganz klar hinter dem letzten Album liegt. Die abgrundtiefe Dunkelheit scheint so manche Klangkulisse zu überdecken, ohne dabei auch nur ansatzweise durchschnittlich zu sein. Es bleibt toll und individuell, doch ein bisschen weniger Blues und wüstengetränkter Staub hätte „subHuman“ sicher gut getan.

Anspieltipps:

  • Prey
  • Allelujah
  • The Killing Ground
  • 99 To Life
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