Lacrimosa - Lichtjahre - Cover
Große Ansicht

Lacrimosa Lichtjahre


  • Label: Neo/SonyBMG
  • Laufzeit: 120 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das von Tilo Wolff 1990 gegründete Projekt Lacrimosa hat sich mit dem Debüt „Angst“ und spätestens mit der seit 1994 als festes Mitglied dazu gewonnenen Anne Nurmi in der nationalen Gothic-Szene einen Namen gemacht, der mittlerweile auch durch einen höheren Anteil an Klassik-Elementen weit über die Grenzen hinaus bekannt geworden ist. Sogar in Mexiko und Asien feiert man das Duo ausgelassen, wie der Konzertfilm „Lichtjahre“ zeigt. Ingesamt zwölf Länder auf vier Kontinenten wurden bereist, um schließlich die Eindrücke in Form von Bild- sowie Tondokumenten festzuhalten und als DVD für die zahlreichen treuen Anhänger aufzubereiten. Die Live-Doppel-CD ist quasi der Soundtrack zu diesem Unterfangen und bietet einen gelungenen Querschnitt durch nunmehr 17 Jahre Gothic-Kunst oder – Kitsch, das ist Ansichtssache und bestätigt die Aussage, Lacrimosa entweder zu lieben oder als pseudointellektuellen Kinderkram abzutun, der Harmlosigkeit mit ach so mystischen Friedhofsbesuchen bei Nacht kombiniert und dabei in der Essenz nicht über einen spannungslosen Freizeitpark hinauskommt.

Doch nun genug der Interpretation und hinein in die blutigen Fakten: Auf der rund einstündigen Promo-CD ist es nur möglich, einen partiellen Eindruck von der Gesamtstimmung zu bekommen. Die Tracks wurden an vielen Orten mitgeschnitten und so kann zumindest von der Promo-CD behauptet werden, dass der Hörer davon nichts mitbekommt und die Stücke sehr einheitlich die Live-Präsenz des Duos plus Gastmusikern vermitteln. Tilo Wolff singt in beeindruckender Manier von den Einbahnstraßen des Lebens und philosophiert bis zum Morgengrauen, um dann doch hier und da den natürlichen Rocker zu geben, der mit dem Publikum zusammen feiert und authentisch mit seiner ausdrucksstarken Stimme spielt. Der rauere Charme steht den auf den Studio-Alben doch oft klinisch gehaltenen Songs sehr gut und so brillieren wuchtige Drums sowie markante E-Gitarren neben der orchestralen Unterstützung. Das zahlt sich vor allem beim zeitlosen Hit „Alles Lüge“ aus, welcher in manchen Momenten befreiend wütend interpretiert wird und den Rock´n´Roll-Faktor einer Band spüren lässt, die oberflächlich betrachtet viel mehr einem Kunstprodukt ähnelt.

Anne Nurmis Gesangsqualitäten sind in den Jahren eindeutig besser geworden, doch bei der Anziehungskraft von Tilo Wolff kann man diese auch als Störfaktor werten, zumal „Not Every Pain Hurts“ in seiner dick aufgetragenen Tragik etwas zu plakativ den Totentanz eröffnet. Da fehlen eindeutig die Widerhaken in der Stimme, von denen der Mastermind einige zu bieten hat. Von der überbordenden Kreativität, die Lacrimosa immer wieder für sich beanspruchen, ist in der letzten Jahren nicht mehr viel zu merken gewesen. Das Songwriting gleicht sich stets und bietet nicht mehr als ein gutes Potpourri aus Gitarren-Riffs und Klassik-Anleihen, das sich so langsam aber sicher doch mehr als einmal zu oft wiederholt. In der Live-Umsetzung punkten der bissigere Sound und einige liebevolle Erneuerungen, wie zum Beispiel die teilweise auf Spanisch gesungene Version von „Durch Nacht Und Flut“. Für die Fans sicher ein Pflichtkauf, für alle anderen nichts als eine weitere Selbstvermarktungsoffensive einer stagnierenden Gothic-Größe.

Anspieltipps:

  • Alles Lüge
  • Ich Bin Der Brennende Komet
  • Durch Nacht Und Flut
Neue Kritiken im Genre „Gothic-Rock“
5/10

MTV Unplugged: Unter Dampf - Ohne Strom
  • 2015    
Diskutiere über „Lacrimosa“
comments powered by Disqus