Lucky Soul - The Great Unwanted - Cover
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Lucky Soul The Great Unwanted


  • Label: Vital/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Great Unwanted“ nennt sich das Debütalbum von Lucky Soul, der sechsköpfigen Truppe um Sängerin Ali Howard und ihren fünf Jungs (Keyboarder Malcolm Young, Gitarrist Andrew Laidlaw, Basser Toby Fogell, Drummer Nathaniel Perkins und Gitarrist Ivor Sims) aus Greenwich, UK. George Shilling (Blur, Primal Scream, Bernard Butler) produzierte das gute Stück, das den Charme der 60er Jahre wieder aufflammen lässt und mit einer Mischung aus Ronettes-Zitaten, Motown-Soul und aktuellen Pop-Einflüssen a la The Cardigans verzaubert. Selbst Songschreiber Sune Rose Wagner von den Raveonettes brachte dem Debüt größtes Lob entgegen.

„Add Your Light To Mine, Baby“ startet knackig beschwingt in das Album und Alis Stimme wirft direkt Parallelen zu den Stimmen der sechziger Jahre Girlgroups, wie den Ronettes oder den Poni-Tails. Streicher und Bläser gesellen sich immer wieder zu dem Stamm-Sextett und verbreiten eine wohlige, unbeschwerte Atmosphäre. Die Produktion bügelt den Sound der Platte löblicherweise nicht zu glatt, so dass ein nostalgisches Flair erhalten bleibt. „One Kiss Don’t Make A Summer“ hält das Tempo noch hoch, bevor mit „Struck Dumb“, der ersten bluesig anmutenden Nummer, ein Gang zurückgeschaltet wird. In den Arm nehmen kann man sich schließlich bei „My Darling, Anything“. Man sieht schon förmlich ein junges Liebespaar vor seinem geistigen Auge – in einem nostalgischen Cadillac oder Chevy sitzend, dem Sonnenuntergang zugewandt – wie sie zu diesem Song ihre Lippen fest aufeinander pressen.

„Get Outta Town!“ heißt es plötzlich und man kann sich gut vorstellen, wie rivalisierende Jugendgruppen ihren Status, in bester Grease-Manier, per Tanzduell geltend machen. „Baby I’m Broke“ stellt die erste schwermütigere Ballade über eine verflossene Liebe dar und orientiert sich vorwiegend an folkorientierten Einflüssen. „My Brittle Heart“ besticht durch ein Auf und Ab des Spannungsbogens und in dem von Tempiwechseln durchzogenen „Ain’t Never Been Cool“ erinnert Alis zerbrechliche Stimme stellenweise an Marilyn Monroe in „I Wanna Be Loved By You“. Das folgende „The Towering Inferno“ beginnt ganz bedeckt, doch schon bald setzen die Bläser nach bester Sufjan Stevens-Manier ein und der Song steigt als imposante Soundkulisse empor. Da ist der Titel Programm.

Auch wenn sich das jetzt alles nach 60er-Jahre-Retro-Band anhört, klingen die Stücke zeitgemäßer als anzunehmen. Die Einflüsse der Sechziger sind zwar nicht von der Hand zu weisen, doch finden schließlich auch gegenwärtige Komponenten den Weg in Lucky Souls Soundgeflecht, die besonders zum Ende von „The Great Unwanted“ augenscheinlicher werden. So klingen vor allem „It’s Yours“ und das abschließende „The Last Song“ – hinter dem noch ein Bonus Track versteckt ist – nach zeitlosem Folk-Pop, der sich an aktuellen Acts wie Sophie Zelmani oder Aimee Mann anlehnt. Es ist also nicht leicht, Lucky Soul irgendeinen Stempel aufzudrücken, denn die Briten schaffen es gekonnt, Moderne und Nostalgie so zu verknüpfen, dass sie ihren ganz eigenständigen Sound besitzen, der zwar seine Wurzeln erkennen lässt aber weder verstaubt noch plagiierend anmutet. Man sollte sich einfach mal verführen lassen.

Anspieltipps:

  • Add Your Light To Mine, Baby
  • Get Outta Town!
  • My Brittle Heart
  • The Towering Inferno
  • It’s Yours
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