Unkle - War Stories - Cover
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Unkle War Stories


  • Label: Vital/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 71 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

In Sachen elektronischer Klangkulissen mit Hang zum Psychedelischem und Außergewöhnlichem machen andere Vertreter dieses weiträumig als Trip Hop/Downbeat bezeichneten Klangkosmos dem Duo von UNKLE nur wenig vor. Richard File und James Lavelle zogen sich nach den Longplayern „Psyence Fiction“ sowie „Never Never Land“ mit Queens Of The Stone Age-Produzent Chris Goss in die amerikanische Wüste und James Lavelles Surrender Sounds Studio in London zurück, um mit illustren Gästen wie Josh Homme (Queens Of The Stone Age), 3D (Massive Attack), Ian Astbury (The Cult) und anderen ein überraschend zugängliches Album aufzunehmen, das wie eine Flut über einen hereinbricht und mit „War Stories“ passend zum Sound-Gewitter betitelt ist. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern ist auf diesem ein Großteil der Instrumentierung live eingespielt und trotz elektronischer Grundlagen ein Rock-Album mit enormer Wut, aber auch sehnsüchtiger Melancholie geworden.

Bereits das lauernde Instrumental „Chemistry“ lässt anhand von Stakkato-Riffs, wirbelnden Streichern und organischen Breakbeats die Stimmung überkochen. Mit Spannung wurde das dritte Album erwartet und nun bricht es los, als wenn es keinen neuen Morgen mehr geben würde. Da darf man schon mal euphorisch werden, zumal Lavelle beim folgenden „Hold My Hand“ erstmals das Mikro in die Hand nimmt und sich dabei sehr gut aus der Affäre zieht, während zurückgezogene Beats samt eindringlicher Gitarren-Eruptionen die musikalische Grundlage liefern und trotz einer tief greifenden Atmosphäre zum schwächeren Material auf „War Stories“ gehören. Das liegt ganz sicher nicht an einer (nicht vorhandenen) Schwäche im Songwriting, sondern schlicht und ergreifend am hochklassigen Wohlklang, der auf 71 Minuten verteilt zahllose Höhepunkte liefert.

Einer davon ist sicher der Auftritt von Josh Homme, der bei „Restless“ gehörig einheizt und zwischen feinfühligen Schwelgereien auch für lässige Coolness sorgt. Wenn dann im weiteren Verlauf des Tracks flirrende Acid-Sounds einsetzen, ist man sich spätestens jetzt sicher, ein klasse Album mit Tiefgang und Langzeitwirkung zu hören. Als Beispiele seien noch „Burn My Shadow“ mit Ian Astbury, welches fast beiläufig locker ungeahnte Energien freisetzt und das von 3D markant unterlegte „Twilight“ genannt, das besten Trip Hop der Duftmarke Massive Attack offeriert. Auch wenn es sich so liest, als seien die Gastvokalisten die wahren Helden auf dem Album, kann das nur teilweise unterschrieben werden. UNKLE geben mit überaus gelungenem Songwriting und einer kongenialen Mischung aus wilden Rock-Anleihen sowie zurückgelehnten Traumreisen schließlich die Marschroute vor und scheinen spätestens mit Album Nr. 3 unsterblich geworden zu sein.

Anspieltipps:

  • Restless
  • Keys To The Kingdom
  • Burn My Shadow
  • When Things Explode
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