James Blunt - All The Lost Souls - Cover
Große Ansicht

James Blunt All The Lost Souls


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„All The Lost Souls“ klingt fast schon routiniert und eine Spur zu entspannt.

Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und hat dennoch ihre Spuren hinterlassen, seit im Oktober 2004 ein Album namens „Back To Bedlam“ auf dem englischen Musikmarkt erschien. Es handelte sich um das Debüt eines ehemaligen Offiziers der britischen Armee, das nach und nach die ganze Welt eroberte und inzwischen mehr als 12 Millionen abgesetzte Einheiten aufweisen kann. Für einen im Prinzip kaputten Musikmarkt ist dies eine Sensation. James Blunt, der Protagonist hinter dem eindrucksvollen Erfolg, wurde überall gefeiert und bestätigte sein Talent in zahlreichen mitreißenden Live-Shows.

Die Radiostationen stürzten sich weltweit auf jede der fünf Singleauskopplungen aus „Back To Bedlam“ und sorgten für eine monatelange Dauerbeschallung mit Titeln wie „You’re beautiful“ und „High“. Verständlich, dass sich im Laufe der Zeit ein Lager herausbildete, das sich von James Blunts Schmusesongs gehörig genervt fühlte und den Briten auf den ersten Platz einer imaginären Liste „der Sänger mit dem größten Nervpotenzial“ setzte. Und das wird dem Singer/Songwriter mit der markanten Stimme wohl auch einige Probleme bescheren, wenn es darum geht, mit Album Nummer zwei, „All The Lost Souls“, zu bestehen. Denn neben dem „Was, der schon wieder?“-Effekt, kommt heuer zum tragen, dass es vielen Songs im Vergleich zum Vorgänger deutlich an Auffälligkeit fehlt. Und das liegt nicht daran, dass es auf dem Album über weite Strecken ruhig und gediegen zugeht. Keinesfalls! Denn auch die neuen Stücke sind beileibe nicht schlecht.

Zusammen mit seiner Live-Band (Gitarrist Ben Castle, Bassist Malcolm Moore, Keyboarder Paul Beard und Drummer Karl Brazil) sowie der tatkräftigen Hilfe externer Songschreiber wie Max Martin (Britney Spears, Backstreet Boys, Bon Jovi, P!nk) hat Blunt wieder bis ins kleinste Teilstück auskomponierte Lieder mit viel Liebe zum Detail geschrieben. Doch selbst bei guten bis sehr guten Songs wie „Same mistake“ (glasklare Hitsingle!), „Carry you home“ und „I really want you“ wartet der Hörer vergeblich auf einen Kick, einen besonderen Moment oder einen Paukenschlag. Nicht selten beschleicht einen zum Ende eines Liedes das Gefühl, dass da noch etwas hätte kommen können, nein, müssen, dass einfach mehr drin gewesen wäre („One of the brightest stars“). Aber nein, James Blut spult sein Programm in bescheidenen 39 Minuten herunter, ohne die Brillanz der herausragenden „Back To Bedlam“-Melodien („Goodbye my lover“) und -Ideen („So long, Jimmy“) zu erreichen. Klar, dass schwaches Füllmaterial wie „I’ll take everything“ in so einer Situation noch schwerer im Magen liegt.

„All The Lost Souls“ klingt fast schon routiniert und eine Spur zu entspannt (das Album wurde auf Ibiza eingespielt) für einen Musiker, der als begnadete Singer/Songwriter-Hoffnung gestartet ist. So passiert, was passieren musste: James Blunt bedient freiwillig das Klischee des Schmusesängers und hangelt nur noch knapp über dem Durchschnitt ins Ziel.

Anspieltipps:

  • 1973
  • Shine on
  • Same mistake
  • I really want you
  • I can’t hear the music
Neue Kritiken im Genre „Songwriter-Pop“
Diskutiere über „James Blunt“
comments powered by Disqus