Purwien - Eins - Cover
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Purwien Eins


  • Label: Major Records/PIAS
  • Laufzeit: 77 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sechs Jahre ist es her, dass Christian Purwien in der Electro-Pop-Landschaft zum letzten Mal für Furore sorgte, indem als Maxi-CD mit dem Titel „Kaltes Weißes Licht“ das Abschiedsgeschenk seiner Ex-Band Second Decay erschien. Viele Hits haben Purwien und sein Partner Andreas Sippel seit 1987 unter der Flagge von Second Decay geschrieben und mit „I Hate Berlin“ den Evergreen schlechthin vorgelegt. Insgesamt sieben Alben gehen auf das Konto des Duos, das sich durch intelligent bissige Texte und einen eigenen Stil von elektronischer Popmusik auszeichnete. Die Gerüchte von einem Comeback des charismatischen, humorvollen Sängers Christian Purwien sind seit der Vorab-Single „Alle Fehler“ (mit Joachim Witt) zur Gewissheit geworden und erwiesen sich im Rahmen der Elektrisch!-Festivaltour als fantastisches Unterfangen, welches nun von einem überaus eleganten, zwischen Electro-Pop, Spoken Word und Balladen genial ausbalancierten Longplayer fortgeführt wird.

Zusammen mit Steffen Neuhaus und Marcel Schlepp macht Christian Purwien dort weiter, wo Second Decay aufgehört haben und ist doch mehr als die einfache Fortsetzung des zu Grabe getragenen Duos. Variable Synthesizer treffen auf geerdete Beats und den herausragenden Gesang des Namensgebers dieses Neustarts. Als besonderes Schmankerl konnte Andreas Fröhlich (u. a. Die Drei ???) als Sprecher für die vier von Purwien verfassten Spoken Word-Tracks gewonnen werden. Das macht die gewandt formulierten, kritisch bis ironisch geprägten Zeilen zu einem Genuss, der musikalisch vom Rest des überaus gut bestückten Albums nochmals erweitert wird. Als Single hat „Alle Fehler“ schon seine Qualitäten bewiesen, ist aber auch als eigentlicher Opener von „Eins“ eine gute Adresse, die sich einprägt, doch noch lange nicht zum Besten gehört, was die Scheibe zu bieten hat. Da wäre nämlich noch die relativ seichte, aber wirksame Ballade „Bei Dir“, die von hymnischen Keyboard-Sounds getragen eine tolle Ambient-Atmosphäre ausstrahlt.

Dem Dancefloor nahe wird dagegen „Raum 12“ zelebriert und die Beats schwungvoll mit einschmeichelnden Hooklines kombiniert, so dass am Ende etwas die Substanz zu leiden hat, doch der zwischenzeitliche Hit gesichert scheint. Das dramaturgisch erhabene „So Kalt“ steuert gefolgt vom antreibenden Ohrwurm „Vielleicht Ist Es So“ die Bestmarke des deutschsprachigen Electro-Pop an und kann Purwiens Erfahrung in diesem Genre nicht verhehlen. Überhaupt ist das eines der Hauptaugenmerke, warum „Eins“ so nahezu makellos den Hörer erreicht und jeden Liebhaber dieser Musikrichtung überzeugen wird. Christian Purwien bietet mit seinem ersten „Solo-Album“ keinen gehetzten Aufguss seiner bisherigen Trademarks, sondern spielt mit ihnen auf eine distanzierte Weise, die in ihrer filigranen Art genügend Leidenschaft und Frische durchscheinen lässt, um die Fans genussvoll mit neuem Material in den Sommer zu entlassen.

Anspieltipps:

  • Bei Dir
  • So Kalt
  • Vielleicht Ist Es So
  • Alle Fehler (mit Witt)
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