Elvis Perkins - Ash Wednesday - Cover
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Elvis Perkins Ash Wednesday


  • Label: XL Recordings/INDIGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Vergangenheitsbewältigung. Elvis Perkins verarbeitet auf seinem Debüt die dunklen Stunden seines Lebens. Aber das sich durchs Album schleichende und schwarz getränkte Moll, wird dennoch ab und zu von einem hell erleuchteten Schein aus seiner Melancholie gerissen.

Der düstere Tenor seines Erstlingswerks steht in ummittelbaren Zusammenhang mit dem Tod seiner Eltern. Sein Vater Anthony Perkins, spielte die Hauptrolle im zum Kultfilm avancierten Meisterwerk „Psycho“ und verstarb 1992 an einem verheimlichten Aids Erkrankung. Seine Mutter, eine bekannte Fotografin, saß am 11. September 2001 im Flug 11, der in das World Trade Center gelenkt wurde. Knapp ein halbes Jahr später, an einem Aschermittwoch 2002, begann Elvis Perkins dieses tragische Unglück zu verarbeiten und seine Gedanken zu Papier zu bringen. Ash Wednesday ist das Ergebnis dieser Arbeit. Eine düstere Collage seiner persönlichen Empfindungen nach 9/11, die aber gleichzeitig auch einen beherrschten Optimismus zu versprühen weiß. Fast alle Songs des Albums wurden live eingespielt und erzeugen auch deshalb eine so ungemein eindringliche und intime Atmosphäre.

Herausragend sind die beiden längsten Songs des Albums. „While You Were Sleeping“ ist einfach nur wunderschön anzuhören. Dezent eingesetzte Bläser, begleiten die hier so herrlich behutsam angeschlagene Akustikgitarre. Perkins leicht angekratzte Stimme wandelt zwischen Nick Drake und Leonard Cohen, und zieht den Hörer unweigerlich in seinen Bann. Der ebenfalls über sechs Minuten lange Titeltrack verzückt durch seine beinahe psychedelischen Streicherarrangements und entwickelt einen ähnlich bittersüßen Beigeschmack wie das traurig intonierte „Moon Woman II“ oder das mit traumhafter Melodie ausgestattete und vom Akkordeon festgehaltene „Emile’s Vietnam In The Sky“. Die insgesamt elf Songs vermitteln einerseits eine tiefe Trauer, andererseits hört man doch immer einen Funken Hoffnung hinter den traurigen Kompositionen hervorklingen. Das nur von Gitarre begleitete „It’s Only Me“ und das Herzzereisende mit klagender Trompete versehene „Sleep Sandwich“ offenbaren diese Hin und Her Gerissenheit Perkins zwischen Misstrauen und Hoffnung, Kraft und Ermüdung, Trauer und Neuanfang.

Ein viel versprechendes Debüt, welches den Umständen seines Entstehungsprozesses wohl nachvollziehbar, insgesamt sehr traurig und dunkel ausgefallen ist. Aber wer mag Elvis Perkins das verübeln? „Ash Wednesday ist ein ausgezeichnetes Singer/Songwriter-Album, das trotz seiner Tragik auch Platz für erleuchtende Momente zu bieten hat und auch gerade deshalb so wunderbar ehrlich und lebendig klingt.

Anspieltipps:

  • While You Were Sleeping
  • It’s Only Me
  • Emile’s Vietnam In The Sky
  • Ash Wednesday
  • It’s A Sad Worl After All
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