Kula Shaker - Strangefolk - Cover
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Kula Shaker Strangefolk


  • Label: Essential/INDIGO
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist sicher nicht verkehrt, wenn man Kula Shaker im nachhinein als eine Art One-Hit-Wonder bezeichnet. Die Band um Mastermind Crispian Mills schlug im Jahr 1996 mit dem Debütalbum „K“ (übrigens einem der bestverkauften Debüts aller Zeiten im UK) und den dazugehörigen Hitsingles „Govinda“ und „Tattva“ wie eine Bombe ein. Denn Kula Shaker waren anders als die übrigen BritPopper, die sich zu der Zeit um die vorderen Hitparadenplätze balgten. Mit ihrem von den 60er Jahren infizierten, psychedelisch angehauchten Hare-Krishna-Pop galten sie als coole Sonderlinge, die sich erfreulich von genialen, aber arroganten Spinnern wie etwa den Gallagher-Brüdern (Oasis) abhoben.

Vielleicht weil sie so anders war, überlebte die Band nur zwei Alben, ehe sie 1999 implodierte. Den Machenschaften des Musikbusiness überdrüssig, hängten Crispian Mills (Gesang, Gitarre), Alonza Bevan (Bass), Paul Winter-Hart (Drums) und Jay Darlington (Keyboards) ihre Mission an den Nagel und wendeten sich eigenen Projekten zu. Am ehesten vermochte dabei Crispian Mills mit seinen Jeevas für Aufsehen zu sorgen. Doch die beiden Alben „1234“ (2002) und „Cowboys & Indians“ (2003) blieben kommerziell hinter den Erwartungen zurück.

2006 war es an der Zeit für die überraschende Rückkehr von Kula Shaker, mit der „Revenge Of The King“-EP. Die Band hatte sich erfolgreich von allen Businessschlingen gelöst und sämtliche relevanten Dinge (Management, Booking, Promotion, Vertrieb) in Eigenregie übernommen. Das Endergebnis ist das nun vorliegende, dritte Album der Briten, das zusammen mit Chris Sheldon (Foo Fighters, The Pixies), Tchad Blake (Peter Gabriel, Crowded House) und Sam Williams (Supergrass, The Noisettes) entstanden ist. Und, um es gleich vorweg zu sagen, die indischen Einflüsse sind auch diesmal mit an Bord, wenn auch nicht mehr so dominant. Dafür überraschen Kula Shaker anno 2007 mit waschechten Stadionrocksongs („Out on the highway“) und amerikanischen Einflüssen á la The Doors („Hurricane season“, „Dr. Kitt“), anstatt ihren Landsmännern von den Beatles zu huldigen. Und so heulen Orgel und Gitarre pathosgeschwängert im Sound des Summer of Love („Die for love“, „Second sight“), während ein süßlicher Duft in der Luft liegt, der den Hörer zusammen mit der Musik in andere Sphären mitnimmt.

Neben ihrem Sinn für eingängige Melodien in vertrackten Klanggewändern, haben Kula Shaker auch ihren hintersinnigen Humor nicht verloren. So lassen sich etwa mit kiesig hoher Michael-Jackson-Stimme gesungene Zeilen wie „I’m a dic(k), a dic(k), a dictator of the free world“ (aus „Great dictator of the free world”) durchaus ambivalent deuten, während an anderer Stelle mit Streichern und Hammond Orgel eine Spur zu doll auf die Kitschdrüse gedrückt wird („Shadowlands“) – oder ist das auch eine Art von Humor?

„Strangefolk“ ist kein Sensationscomeback, dafür aber ein elegant ausbalanciertes Sixties-Pop/Rockalbum mit vielen schönen Songs, die genau die Langzeitwirkung entwickeln, die es wert macht, eine persönliche Kopie davon zu erwerben.

Anspieltipps:

  • Second sight
  • Fool that I am
  • 6ft down blues
  • Hurricane season
  • Great dictator (of the free world)
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