Clawfinger - Life Will Kill You - Cover
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Clawfinger Life Will Kill You


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Schön wenn sich eine Band Kritik zu Herzen nimmt. Der Verfasser dieser Zeilen kann sich zwar nicht vorstellen, dass Clawfinger seine Rezension zum vorhergehenden Album „Hate yourself with style“ (11/2005) gelesen haben, aber was die negativen Aspekte des Vorgängers anbelangt (nämlich der fehlenden Abwechslung im hinteren Teil der Platte), so wurden diese soweit es geht für „Life will kill you“ berücksichtigt. Wieder um einige Mitglieder angewachsen, präsentieren die fünf Schweden Zak Tell (Gesang), Bard Torstensen (Gitarre), Andre Skaug (Bass), Jocke Skog (Keyboard) und Henrik Johansson (Schlagzeug) mit Album Nummer sieben nämlich eine beinharte Crossover-Platte aus einem Guß, die sich der Härte des Vorgängers angenommen hat und trotzdem wieder melodiöser und stimmungsvoller ans Werk geht.

Was jedoch die Lyrics anbelangt, so hat sich Zak wieder den düsteren Abgründen der menschlichen Existenz angenommen. „Paedophilia, addiction, death, suicide bombers, self-esteem issues and misers are a few of the topics I've chosen to write about this time around. Not very uplifting stuff, I guess, but hey that's just me and it's not as if I actually plan it, it just happens, I promise! There are a few positive lyrics as well so it's not all gloom, doom and troubled thoughts. A majority of the tracks are though” erklärt er, während nach der Clawfinger-typischen Klangkulisse in „The price we pay”, „Life will kill you” und „Prisoners” aus abgehackten Riffs und den Rap-Gesangsparts Tells mit “Final stand” der erste Höhepunkt ins Haus steht, wenn neben einer anfangs zurückhaltenden Instrumentierung mit „My death will be my final stand / My death will be my sacrifice / My death will be my last command and be my guide to paradise” die Gedanken eines Selbstmordattentäters beleuchtet werden.

„None the wiser” startet im Anschluss mit groovigem Crossover-Beat und „Reim dich oder ich freß dich”-Lyrik aus dem Phrasen-Generator Clawfingers, während „Little baby“ wohl den bedrückendsten und in seiner Verzweiflung atmosphärischsten Song der Schweden darstellt. Was anfänglich etwas an Bruce Springsteens „Streets of philadelphia“ erinnert, entwickelt sich etwa eine halbe Minute später zu einem Schlagabtausch zwischen einem Vater und seiner Tochter, die von ihm missbraucht werden soll. Zwar haftet dem Text ein 0815-Klischee an, doch mit der abschließenden Instrumenteneruption, die wohl den finalen Akt der Vergewaltigung darstellt, projizieren die Schweden ein verstörendes Bild in den Kopf des Hörers, das man von ihnen in dieser Dringlichkeit nicht erwartet hätte.

Um sich davon erst einmal ein wenig zu erholen, wabern in „The cure & the poison“ etwas über eine Minute lang Synthie-Flächen durch den Raum, bevor eine Rammstein´sche Industrial-Walze aus den Lautsprechern losbricht und in maschinelles Drumming, das den musikalischen Korpus von „Where can we go from here“ unterfüttert, mündet. Der nachfolgende Track „It´s your life“ und das mit ruhigen Passagen durchsetzte „Falling“ sind zwar nur Mittelmaß, dafür haut „Carnivore“ umso mehr auf den Putz und liefert ordentlich Potential zum Wegbangen. Damit liefern Clawfinger mit „Life will kill you“ ihr bestes Album nach „Deaf dumb blind“ (07/1993) ab, was nicht nur an der Fusion ihrer besten Trademarks (Rap, Metal, hartes Riffing) liegt, sondern auch an einem Spannungsbogen, der in dieser Form wohl noch nie auf einem Werk der Schweden zu hören war.

Anspieltipps:

  • Carnivore
  • Final Stand
  • Little Baby
  • The Cure & The Poison
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