The Twang - Twang ´Em High - Cover
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The Twang Twang ´Em High


  • Label: Countryfied/INDIGO
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Was haben die Rolling Stones, James Blunt, Robbie Williams und die Beastie Boys gemeinsam? Auf den ersten Blick scheint dieser Vergleich in eine Sackgasse zu führen. Etwas haben sie aber doch gemein. Nämlich den Umstand, dass berühmte Hits von u.a. gerade genannten Musikern auf einen einzigen Longplayer gepackt worden sind. Zunächst ja nicht allzu außergewöhnliches, denkt man an fragwürdige Kommerz-Sampler wie die Bravo Hits oder The Dome. Doch die musikalische Verarbeitung des Rohmaterials ist auf „Twang Em’High“ dann doch etwas anders geartet. Die Protagonisten dieser so genannten Countryfizierung bekannter Rock-, Pop- und HipHop-Songs hören auf den Namen The Twang. Und mit ihrem mittlerweile dritten Album verabreichen die sechs Musiker altbekannten Hits eine Westernhafte Verjüngungskur. In Deutschland ist man spätestens seit den Berlinern The BossHoss oder Olli Dittrichs Texas Lightning mit solchen Spielereien vertraut. Aber die 1997 gegründete Formation um Leadsänger Hank Twang ist in ihrer musikalischen wie auch kommerziellen Entwicklung den deutschen Ablegern einen gehörigen Schritt voraus. Hierzulande gelten sie demnach auch als die Urväter dieser Spielart.

Um es vorwegzunehmen: Neben einigen teilweise sehr gelungenen Coverversionen bleibt auf ihrem neuen Album jedoch manches nur seltsam anmutendes Stückwerk. Das liegt zum Großteil daran, dass einige der in neues Gewand gewickelten Songs auch schon im Original nur schwerlich zu ertragen sind. Wie das von je her nervtötende „You’re beautiful“ von James Blunt, das hier wie auch schon im Original eine unglaubliche Belanglosigkeit versprüht. Oder beim Versuch dem Scorpionsklassiker „Still Loving You“ endlich einmal Leben einzuhauchen. Die vor 23 Jahren schon nölende Schmachtpowerrockballade klingt bei The Twang ähnlich gruselig. Und manche Lieder sollten einfach niemals gecovert werden. „Fight For Your Right“ funktioniert nur bei den Beastie Boys und auch vor Pink Floyds „Another Brick In The Wall“ hätten Sie mal lieber die Banjos lassen sollen.

Es gibt aber auch durchaus Songs, die durch das neue Klangkostüm geradezu erstrahlen und dem Original in fast nichts nachstehen. Da hätten wir den locker lässig klingenden Stones Klassiker „Jumpin’ Jack Flash“ oder das auch hier beschwingt anmutende „Let Me Entertain You“ von Robbie Williams. Beide hervorragend neu interpretiert und in hohem Maße Tanzbein motivierend. Am stärksten sind The Twang aber wenn sie es gemächlich angehen. REM's „The One I Love“ könnte so vorgetragen getrost Titeltrack eines Tarantino Films sein und Cranberries „Zombie“ steht mit seiner sanften Hillbilly Instrumentierung dem Original in nichts nach. Absoluter Höhepunkt ist schließlich der Bonustrack, „Sweet Child Of Mine“ von Guns N’ Roses. Unbedingt anhören!

Die 15 neuen Coverversionen auf „Twang ‘Em High“ wandeln zwischen erfrischend mitreißend und akustischem Wachkoma. Wie gesagt. Es ist halt Geschmackssache. Wer ohnehin nichts mit Countrymusik am verstaubten Cowboyhut hat, wird höchstwahrscheinlich auch nichts mit The Twang und ihrer „Countryfizierung“ anfangen können. Alle anderen werden mit einigen Songs der Platte jedoch ihre helle Freude haben und können ohne Bedenken rauchende Coltsalven Richtung Himmel abfeuern.

Anspieltipps:

  • Jumpin’ Jack Flash
  • The One I Love
  • Zombie
  • Sweet Child Of Mine
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