Salim Nourallah - Snowing In My Heart - Cover
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Salim Nourallah Snowing In My Heart


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit 9 Jahren das „White Album“ der Beatles zu entdecken ist sicherlich keine schlechte Voraussetzung für den Start in eine Singer/Songwriter-Karriere. Hörbar hat Salim Nourallah diese Form der musikalischen Früherziehung verinnerlicht, „Snowing In My Heart“, nach „Polaroid“ und „Beautiful Noise“ das dritte Album des in Texas aufgewachsenen Musikers, ist melodienverliebt, eingängig und direkt geraten.

Eins zu Eins werden hier Enttäuschung, Liebesschmerz und Sinnsuche vertont, Nourallah hat einiges zu berichten aus seinem Leben. In Texten, in denen sich niemand nicht irgendwo wieder finden wird. Und in Liedern, die er derart melancholisch vorzutragen vermag, dass selbst einfältigste Wahrheiten auf wundersame Weise an Tiefe gewinnen, „It’s Lonely When You’re All Alone“ sei hier als Beispiel genannt. Wer erinnert sich nicht an Tage, an denen man - selbstverständlich vergeblich - mehrfach den Anrufbeantworter auf neue Nachrichten überprüft hat und nur langsam zur traurigen Erkenntnis gelangt ist, dass Anrufe in Abwesenheit sehr unwahrscheinlich sind, so lange man nicht abwesend ist sondern lauernd in unmittelbarer Nähe des Telefons verharrt. Und mit der aufmunternden Aussage „It’s Okay To Be Sad“ erhalten wir dann auch gleich noch die musikalische Absolution für das erschütternde Selbstmitleid, das sich an Tagen wie diesem unweigerlich einstellt. Zum Durchhalten wurde bereits im Opener des Albums eindringlich aufgefordert, nach den genannten Songs wissen wir auch, weshalb.

Es ist jedoch nicht so, dass „Snowing In My Heart“ in die Rote Liste psychiatrischer Kliniken für selbstmordgefährdete Patienten aufgenommen werden müsste, denn es gibt auch durchaus hoffnungsvolle Klänge (wie im humorvollen „The Wicked Are Winning“ oder dem ausfallend schwungvoll instrumentierten „Don’t Be Afraid“) zu hören. Doch seine wirklich starken Momente hat Nourallah in den Titeln, in denen seine wundervoll raue, zeitweise gar brüchige Gesangsstimme die eher schwermütigen Gefühle transportiert. Dementsprechend ist der schönste Titel des Albums zugleich der Traurigste: „The Terror“ ist eine Ballade, die ihre ergreifenden Harmonien fast im Kampf gegen merkwürdige Noise-Geräusche verliert um letztlich doch zu einem versöhnlichen Ende zu finden. Da ist sie wieder, die Hoffnung. Sicherlich ist „Snowing In My Heart“ eher ein Album für die dunkleren Tage des Jahres. Doch wer sich entschließt, es erst einmal im Plattenschrank zwischenzulagern, hat fraglos einen guten Grund mehr, sich auf den Winter zu freuen!

Anspieltipps:

  • Hang On
  • I Miss You (So Come Back)
  • It’s Lonely, When You’re All Alone
  • The Terror
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