Velojet - This Quiet Town - Cover
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Velojet This Quiet Town


  • Label: Wohnzimmer/Broken Silence
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

In Österreich ist gerade ein neues Musikbewusstsein für einheimische Künstler und Bands entfacht, das maßgeblich vom Radiosender Ö3 ins Leben gerufen wurde. Dieser hat nämlich nicht nur durch seinen Soundcheck (im weitesten Sinne vergleichbar mit der Castingshow Popstars; bereits bestehende Bands bewerben sich mit einem Song und per Zuhörervoting werden die Sieger gekürt) versucht, die indigene Szene etwas in den Vordergrund zu rücken, sondern hat außerdem veranlasst übergroße Starschnitt-Plakate von Künstlern wie Christina Stürmer, SheSays, Mondscheiner, Excuse Me Moses oder Valerie (Saint Privat-Chanteuse mit Soloprojekt) in den Städten aufzuhängen um der eigens propagierten Message „Neuer Rock und Pop aus Österreich“ deutlich mehr Ausdruck zu verleihen. Das dabei meist die wirklich guten und innovativen Bands untergehen, da sie keine Vermarktungsmaschinerie hinter sich wissen, sei dahingestellt, drängt sich schließlich bei einem Streifzug durch Wien die Frage auf, wo denn z.B. Core, Matt Boroff, Echophonic oder Velojet abgeblieben sind, die besagte Bands an Einfallsreichtum mit ihren bisher veröffentlichten Werken locker übertroffen haben.

Der letztgenannte, aus Oberösterreich stammende Vierer hat nämlich nun seinen zweiten Longplayer am Start, der dem bestechenden Debüt „Velojet“ (06/2005) zwar nicht das Wasser reichen kann, aber zumindest in punkto abwechslungsreicher Popmusik so manchem einheimischen Act Nachhilfe geben könnte. Dabei starten Rene Mühlberger (Gesang, Gitarre), Irene Grabheer (Keyboard, Gesang), Marlene Lacherstorfer (Bass, Gesang) und Michael Flatz (Schlagzeug) mit dem zurückhaltenden „Everybody knows“ und den Midtempo-Stücken „Spotlight“ und „Head under water“ ihre zweite Platte „This quiet town“ keineswegs bravourös. Dafür entschädigt der anschließende Dreier, nachdem kurzfristig das Gefühl emporsteigt, Velojet hätten ihr Gespür für subtil einschleichendes Ohrwurmmaterial verloren, mit einer Variantenvielfalt, die zeigt, wozu das Quartett eigentlich fähig ist und öffnet somit die Pforten für puren Hörgenuss.

„I follow my heart“ rumpelt mit einem grandios-tanzbaren Beat in die nächste Indie-Disco, während die elegische Ballade „I´m so hungry“ zwischenzeitlich durch einsetzende Streicher ein Klischee bedient, ihr Ziel, den Hörer durch einen wunderbaren Aufbau zu entzücken, jedoch nie aus den Augen verliert, was durch das optimistische „Rain will fall“ in weiterer Folge verstärkt wird. Mit „Over the years“ und „Stay don´t walk away“ gibt es dann eine dieser typisch-minimalistischen Velojet Poptracks, die einem nicht aus dem Ohr zu gehen scheinen, bis „Waiting for a long time“ in Beatles-Harmonien schwelgt und der Titeltrack wieder die Rhythmusabteilung in höchstem Maße (im positivem Sinne gemeint) strapaziert. Nachdenklicher wird es mit „The garage door“, wenn Mühlberger über schwermütige Akkorde „When I get home, the garage door is always closed, and I wonder if I still live here in this house or in this planet“ sinniert, sodass der anfangs stille “Hidden track” durch seinen rockigen Abschluss geradezu als Befreiungsschlag herhalten muss. Alles in allem zeugt „This quiet town“ nach einem verhaltenen Anfang und trotz einer etwas geringeren Hitdichte durchaus von der Vielfalt des Vierers. Wodurch geklärt werden dürfte, wo der wahre „Rock und Pop aus Österreich“ steckt.

Anspieltipps:

  • Rain Will Fall
  • I´m So Hungry
  • This Quiet Town
  • I Follow My Heart
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