Nightwish - Dark Passion Play - Cover
Große Ansicht

Nightwish Dark Passion Play


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 72 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit Blick auf das gesamte Album ist zu sagen, dass Nightwish trotz Sängerinnenwechsel nicht ihre Magie verloren haben.

Vor zwei Jahren schien es so, als sei der Erfolg von Nightwish nicht mehr zu bremsen. Das Album „Once“ konnte sich in mehreren Ländern die Pole Position der Charts sichern, die Verkaufszahlen knackten dann sogar die 1-Millionen-Marke und alle Tourdaten waren restlos ausverkauft. Was dann passierte war für viele Fans ein Schlag ins Gesicht: Nach dem Abschlusskonzert der „Once World Tour“ in Helsinki drückten die vier männlichen Bandmitglieder Tuomas, Marco, Emppu und Jukka Sängerin Tarja einen Brief in die Hand, der sie mit unmittelbarer Weise aus der Band beförderte. Hauptgrund war das angeblich zu divenhafte Benehmen von Frau Turunen. Die Folge war ein recht unschöner Rosenkrieg der sich in Form eines offenen Briefwechsels abspielte.

Als sich die Wogen glätteten begannen zeitgleich die Arbeiten an der neuen Scheibe und die Suche nach einer neuen Sängerin. Hierzu hörte sich die Band über 2.000 Demos an, bevor sie im Januar 2007 endlich ihre Entscheidung traf. In Presse- und Fankreisen wurde natürlich viel spekuliert und einige illustre Namen machten die Runde. Wirklich geworden ist es dann die aparte, 30jährige Schwedin Anette Olzon, die sich vorher in eher mäßig bekannten Hardrockkapellen verdingte. Und wie immer, wenn sich eine bekannte Band eine neue Stimme sucht, ging natürlich sofort die Diskussion los, inwieweit Anette gewachsen ist, das Erbe ihrer Vorgängerin anzutreten.

So sei also auch in dieser Rezension die Frage „Ist sie jetzt besser oder schlechter?“ vorangestellt. Es mag zwar nicht gerade einfallsreich sein, aber die Antwort lautet: Weder noch. Die Band hat nämlich die einzig richtige Entscheidung getroffen und keine Tarja-Kopie in ihre Reihen berufen, was wohl einem kreativen Bauchschuss gleichgekommen wäre. Anette bringt eine völlig neue Note in den Nightwish-Sound. Was viele Fans sicher am meisten vermissen werden ist, dass sei nicht wie Tarja eine klassische Gesangsausbildung genossen hat und ihre kristallklaren Stimme eher in Richtung Musical tendiert, auch ist ihr Organ ganz sicher nicht ganz so kraftvoll wie das der Finnin. Doch eines sei gesagt, zu der Musik auf „Dark Passion Play“ passt sie wie angegossen. Und, um jetzt endlich einmal zum Punkt zu kommen, die Musik ist größtenteils wieder erstklassig.

Gleich zu Anfang veranstalten Nightwish mit dem dreizehn Minuten langen „The Poet And The Pendulum“ ganz großes Ohrenkino. Alles beginnt ganz ruhig mit einzelnen Orchesterklängen und Knabengesang, man wähnt sich im Soundtrack zu einem großen Hollywood-Blockbuster. Die Band ist also eindeutig den Weg weiter geschritten, den sie mit den Vorgängeralben eingeschlagen hatte. Nach anderthalb Minuten steigt dann die Band heftigst ein, auch Orchester und Chor dürfen nun die volle Breitseite abfeuern. Was nun geboten wird trägt schon fast progressive Züge. Treibende Strophen, hymnische Melodien, ruhige Passagen und metallische Headbangparts wechseln sich ab, dazu immer das perfekt arrangierte Orchester. Bassist Marco gibt wieder den männlichen Gegenpart beim Gesang und zeigt, dass auch in ihm ein guter Shouter steckt. Dieser Track spielt ganz sicher in der gleichen Liga wie „The Beauty And The Beast“ vom Meisterwerk „Century Child“.

Was für ein Glücksfall Marco als Zweitsänger für die Band ist, zeigt er vor allem bei den härteren Nummern wie den straight nach vorne gehenden „Bye Bye Beautiful“ und „Master Passion Greed“, die bei der nächsten Tour sicher für wehende Frisuren sorgen werden. Für ein leichtes Fragezeichen sorgt dann aber das vorab als Single ausgekoppelte „Amaranth“. Bis zum ersten Refrain scheint es sich noch um eine normale, wenn auch etwas einfallslosere Nightwish-Nummer zu handeln, beim Chorus bricht der Song dann aber schlussendlich zusammen. Die poppige Kinderzimmer-Melodie ist einfach zu offensichtlich Radiofreundlichkeit getrimmt. Wäre der Song auf deutsch, man könnte sogar meinen er stamme von LaFee. Zum Glück kommt es außer diesem Track nur noch zu einem zweiten, richtigen Ausfall: Das ebenfalls vorher im Internet verbreitete „Eva“ gleitet als pianogetragenen Ballade spannungs- wie höhepunktarm am Ohr des Zuhörers vorbei.

Mehr als einen Ausgleich bieten das modern angehauchte „Cadence Of Her Last Breath“, das epische „Sahara“ oder die dunkle Nummer „Whoever Brings The Night“. Mit dabei natürlich immer die ausladendend inszenierten Opernparts. Bei dem ganzen Bombast wirkt dann das teilweise nach den Landsmännern von HIM klingende „For The Heart I Once Had“ fast wieder ein wenig unspektakulär. Ein ganz besonderen Höhepunkt setzt das mit rein akustischen Instrumenten umgesetzte „The Islander“, das von Marco gefühlvoll eingesungen wurde. Das mit Flöte und Fiedel aufkeimende irische Feeling wird von dem Instrumental „Last Of The Wilds“ noch fortgesetzt. Klingt dann zwar ein wenig wie die Metalversion der Corrs, ist aber ganz nett gemacht. Den epischen Abschluss bilden dann die beiden Siebenminüter „7 Days To The Wolves“ und „Meadows Of Heaven“. Zweiteres stellt dann auch endlich eine gelungene Ballade dar, die den „Eva“-Unfall verschmerzbar macht . Überraschend ist der Einsatz eines Gospel-Chors, der aber eine interessante Facette in den Sound bringt.

Mit Blick auf das gesamte Album ist zu sagen, dass Nightwish trotz Sängerinnenwechsel nicht ihre Magie verloren haben, Fans können also aufatmen. Die Größe der alten Klassiker konnte zwar (noch) nicht wieder ganz erreicht werden, dafür haben sich dann doch ein paar durchschnittliche Songs zu viel eingeschlichen. Dafür knallen die anderen Songs dann aber wenigstens so richtig. Nur, wie will Mastermind Tuomas eigentlich nächstes Mal das hier aufgebotene Level an Bombast noch steigern?

Anspieltipps:

  • The Poet And The Pendulum
  • Bye Bye Beautiful
  • The Islander
  • Meadows Of Heaven
Neue Kritiken im Genre „Symphonic Metal“
6.5/10

Where I Reign: The Very Best Of The Noise Years 1995-2003
  • 2016    
Diskutiere über „Nightwish“
comments powered by Disqus