Tool - Lateralus - Cover
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Tool Lateralus


  • Label: Zomba/SONY
  • Laufzeit: 79 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Manchmal fragt man sich ob es ein Tick von progressiven Bands ist, dass sie die Silberlinge immer bis zum Rand voll stopfen müssen. Die Gefahr, dass die ein oder andere Stelle wiederholend oder aufgebraucht wird, sieht man als Prog-Rocker wohl gar nicht mehr. Es gibt so viele Beispiele, die an ihrer Musik immer wieder an mindestens einem Stück wirklich scheitern, doch eine von den Fans über alle Maße verehrte Band, wie Tool ist in ihrer langen Bandgeschichte lange über solche Selbstzweifel hinweg. Fünf Jahre sind seit dem von aller Welt bejubelten „Aenima“ vergangen, aber niemand nimmt das Maynard James Keenan (Gesang), Adam Jones (Gitarre), Justin Chancellor (Bass) und Danny Carey (Drums) wirklich übel. Es ist weiterhin schwer auszumachen, ob es Kritiker oder Fans sind, die sich tiefer verneigen und im Vorfeld ist der Siegeszug von „Lateralus“ eigentlich schon gesichert.

Tool. Das ist mystischer Prog-Rock, der eigentlich mal Metal sein sollte, es aber nie nötig gehabt hatte sich in diese Schublade stecken zu lassen. Gerade bei einer Band wie Tool wird klar, dass der arme Rezensent immer wieder Hilfe suchend bei dem Wort progressiv landet, wenn sich vorgelegte Musik einfach nicht genauer beschreiben lässt. Letztendlich darf sich jeder selber aussuchen, welchen Aspekt er nun an Tool am besten findet. Grunge, Metal, Psychedelic oder Artrock. Mal mit mehr, mal mit weniger konventionellen Mitteln trifft man auf all diese Facetten. So ist es natürlich unausweichlich, dass die Musik der Herren Keenan Co. anfangs (und für manche vielleicht auf immer) sperrig daherkommt. Der Hörer kämpft sich durch mehrere Stücke, die die Acht-Minuten-Marke knacken. Ein Album, welches sich kaum offenbart, wenn man es einfach nur nebenbei hört.

Gleich zu Beginn wird man von dem Acht-Minuten-Monster „The Grudge“ empfangen. Eben dieser Song entpuppt sich aber noch als sehr kompatibel und Hörerfreundlich. Beinahe minimalistisch eingesetzte Gitarren begleiten, die wie immer in einer fernen, unerreichbaren Sphäre schwebende Stimme Keenans. Die Gitarrenwände bauen sich langsam auf, um nach knapp drei Minuten mit voller Wucht zuschlagen zu können. Die ruhigen, wie die wälzenden Passagen beherrschen nun den Song, wechseln sich aber ab, wie es ihnen gefällt. Mitten drin der Gesang und ein kraftvolles Schlagzeug, welches das Gebilde zusammenhält. Es scheint so, als sollte „Eon Blue Apocalypse“ dem Hörer eine Minute zum Verschnaufen gönnen. Es ließe sich über jeden Song so lange reden, doch das würde jeden Rahmen sprengen. Die Lieder halten allesamt die düstere Atmosphäre, die man von Tool gewohnt ist und Keenan schafft es immer neue Klänge zu finden, sodass sein Gesang nie leer oder gleich klingt.

„The Patient“ überzeugt neben den „üblichen“ Aspekten mit einem klasse Gitarrenriff, der sich schonungslos durch die sieben Minuten zieht und „Mantra“ ist (besonders aufgrund der annehmbaren Länge) mit dem Rest des Albums verglichen sehr konventionell und ließe sich als Single verkaufen. „Schism“ hätte ohne Probleme „Hypnotize“ heißen können, da die Melodie den Hörer hoffnungsvoll einfängt und nicht loslässt. Aber es finden sich auch immer wieder Ausreißer, die sich von dem nie gleichen und trotzdem nicht zu verneinenden Tool-Stil abheben, zumindest innerhalb dieses Albums. Da wäre das lediglich von Keenan getragene „Parabol“, welches letztendlich nur ein Intro für „Parabola“ ist, welches in meisterhaften Riffs aufgeht. „Ticks & Leeches“ macht dann die Psychedelic-Fans mehr als froh. Der Song hätte in gewissem Maß eine Inspirationsquelle für die Deftones sein können oder war es etwa anders herum? „Dispostion“ darf im Tool-Universum wohl schon Ballade genannt werden und gibt dem Hörer wieder eine Verschnaufpause, die keine Probleme hat, das musikalische Niveau zu halten. Die Platte klingt „Faaip De Oiad“ verstörend mit Störgeräuschen aus, aber wie gesagt: Prog-Rocker müssen ihre Platten irgendwie immer randvoll stopfen.

Bei dieser Fülle an tatsächlich genialen Liedern sei ihnen das dann aber auch gegönnt. Es ist schwer zu sagen, ob sich Tool bei ihrem neuen Album weiterentwickelt haben, einen Schritt zurückgegangen sind oder immer nur dasselbe machen. Festhalten lässt sich, dass Tool 13 neue Songs herausgebracht haben und es keinen Grund gibt auch nur einem dieser Qualität abzusprechen. Die Songs sind auch glücklicherweise vertrackt genug, dass man lange genug daran hört. Das nächste Album kommt ja doch wieder frühestens in vier Jahren. Solange die Stücke so stark sind wie auf Lateralus ist das aber auch zu verzeihen.

Anspieltipps:

  • The Grudge
  • The Patient
  • Ticks & Leeches
  • Disposition
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