Sportfreunde Stiller - La Bum - Cover
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Sportfreunde Stiller La Bum


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eingefleischte Fans der drei Jungs werden mit dem neuen Material wieder voll auf ihre Kosten kommen.

Es ist das Jahr eins nach dem Mega-Spektakel Fußballweltmeisterschaft. Es ist also auch das Jahr eins nach dem Erlangen des absoluten Kult-Status für die Sportfreunde Stiller, die durch „54, 74, 90, 2006“ die inoffizielle Hymne des Turniers landeten und dadurch in allen Städten und Wohnzimmern der Republik für mehrere Wochen allgegenwärtig schienen. Die Euphorie im Land ist mittlerweile dahin und wird so schnell auch nicht wiederkommen. Anders die Sportfreunde, die nun ihren fünften Longplayer mit dem Titel „La Bum“ veröffentlichen.

Den Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen dürfte schwierig werden, aber auch nicht unmöglich. „La Bum“ fügt sich wie ein neues Zahnrad problemlos ins Getriebe der Sportfreunde ein, das klingt im ersten Augenblick gar wie „Burli Teil 2“. Der Opener „Der Titel vom nächsten Kapitel“ und auch die Singleauskopplung „Alles Roger“ passen wie die Faust aufs Auge in das bekannte Konzept des Trios. „Alles Roger“ besticht wieder durch den guten alten Humor der sympathischen Bayern und lädt zum Mitsingen ein. Essentielle Fragen des Lebens, wie die, wer jetzt eigentlich Roger ist, lassen ein Schmunzeln im Gesicht aufkommen.

Die Band hat sich seit ihrer ersten LP nie wirklich weiterentwickelt und tut das auch mit den elf neuen Songs nicht. Aber mal ehrlich: Den drei Münchenern steht einfach kein wildes Klang-Experiment oder ausufernde Komplexität. Schlichte Songstrukturen; rockiger Klang; kluge, witzige Textzeilen und natürlich ein Refrain zum Mitsingen, so kennt man es und so lieben es die Fans. Die Kunst besteht darin, die Grenze zur Eintönigkeit dabei nicht zu überschreiten. Das gelingt meistens, aber leider auch nicht immer. „La Bum“ schafft es in manchen Momenten nicht, vor dieser angesprochenen Grenze zu stoppen. Wie vom Fließband rauschen Songs wie „Ohne Deine Liebe“, „Was dein Herz dir sagt“ oder „in Unmittelbarer Ferne“ durch den Gehörgang, ohne dabei bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die klingen zwar nicht schlecht, sind aber letztendlich durchschnittliche Liebeslieder. Wirklich große Songs entstehen eben nicht vom Fließband, sondern durch akribische Kleinarbeit.

Aber zum Glück haben Peter, Rüdiger und Flo auch diesmal ihren allseits geliebten Festival-Faktor nicht vergessen. Nach den langweiligen Zwischentiefs folgen endlich die potentiellen Hymnen zum Tanzen, Singen und Springen. „Mo(nu)ment“ und „Sodom“ machen Spaß und werden wieder für echte Hüpforgien während der Live-Darbietungen sorgen, die ja mittlerweile schon berühmt und berüchtigt sind. In „Anders als auf Ansichtskarten“ überraschen die Sportis uns einmal mehr, dieses mal mit dem Einsatz von Streicherinstrumenten, der aber sogar recht gut zu ihrer Musik passt.

Etwas spät, aber nicht zu spät für den diesjährigen Festivalsommer kommt „La Bum“ in die Plattenläden. Nach einigen Open-Air-Auftritten startet die Band im Herbst dann ihre ausgiebige Tour quer durch Deutschland. Jeder, der seine Sprunggelenke mal ordentlich strapazieren möchte, möge sich schnell eine Karte sichern. Eingefleischte Fans der drei Jungs werden mit dem neuen Material wieder voll auf ihre Kosten kommen. „La Bum“ reiht sich nahtlos in die Diskographie der Münchener ein, ohne dabei groß aufzufallen. Richtig auffallen wird die Band spätestens in drei Jahren wieder, nämlich dann, wenn der WM-Wahnsinn von vorne losgeht.

Anspieltipps:

  • Alles Roger!
  • Mo(nu)ment
  • Der Titel vom nächsten Kapitel
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