Phillip Boa And The Voodooclub - Faking To Blend In - Cover
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Phillip Boa And The Voodooclub Faking To Blend In


  • Label: Motor/EDEL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer kümmert sich schon um Bestenlisten, in denen „Faking To Blend In“ vielleicht nur eine Randerscheinung sein wird.

Fast genau ein Jahr, nachdem Phillip Boa wieder zur musikalischen Begleitung von Pia Lund und dem Voodooclub gefunden hat und dieses auf „Decadence & Isolation“ gefeiert wurde, steht vom lokalen Altmeister des Indie-Rocks schon wieder ein neues, würdevoll präsentes Album in den Läden. Es hört auf den Namen „Faking To Blend In“, ist nahezu perfekt von Boa-Fan Tobias Siebert (musikalisch aktiv bei Klez.e und Delbo) eingefangen worden und strahlt eine selbstbewusste Sicherheit aus, wo man schon fast wieder das Beispiel mit dem alten Wein hinzuziehen könnte. Phillip Boa, der ewig Getriebene, scheint angekommen zu sein, und das ohne den biederen Beigeschmack von Kreativitätsengpässen schlucken zu müssen. Ein weiteres Kapitel Boa-Geschichte, der nach Produktionen in Paris, New York, London und der Wahlheimat Malta ein bodenständiges, gar heimatliches Element hinzugefügt wird, wobei die Vorproduktion standesgemäß in den Temple Studios auf Malta von David Vella vorgenommen wurde.

Auf räudige Art und Weise eingängig peilt „On Tuesdays I´m Not As Young“ gleich zu Beginn die Bestnote an, welche durch forsch gespielte Gitarren sowie kantige Drum-Passagen und selbstredend den Wechselgesang zwischen Boa und Pia Lund eine bekannte, aber niemals versiegende Qualität offenbart. Zwischen Indie-Hymne und unterschwelliger Melodien-Großtat pendelt sich der Song ein, um vom zweiten Track „Girl Is A Runner“ durch synthetische Beats und schrammelige Refrain-Ausbrüche auf eine andere, aber mindestens genau so authentisch mitreißende Schiene gelenkt zu werden. Psychedelisch lauernd gibt ein leichter Hall in den Strophen der markanten Stimme Boas eine weitere Note, die mit dem weiblichen Part an seiner Seite zur ganzen Größe heranwächst. Zwischendurch wird es lauer bzw. an Höhepunkten ärmer, aber das stört im Gesamtergebnis nur wenig, denn was wirklich zählt, ist die Unbekümmertheit und der Charme, vom dem der Mann mit der Wahlheimat Malta nichts zu verlieren scheint.

Wer kümmert sich schon um Bestenlisten, in denen „Faking To Blend In“ vielleicht nur eine Randerscheinung sein wird. Phillip Boa verwaltet nicht sein Lebenswerk, er belebt es ständig mit seiner unverfälschten Echtheit, einem gesunden Desinteresse gegenüber dem alljährlichen Hype-Wahnsinn und spricht damit seinen Fans aus der Seele. So sonnig, doch gleichzeitig mit Kanten gesegnet, an denen andere Künstler jahrelang im Proberaum verzweifeln, jagt einem das schaurigschöne „You Are A Parasite But I Love You” kalte Schauer über den Rücken und gibt wie so vieles andere auf dem aktuellen Longplayer zu verstehen, wie großartig der typische Boa-Sound zusammen mit seiner weiblichen Muse und kleinen Folk-Spielereien klingt.

Anspieltipps:

  • On Tuesdays I´m Not As Young
  • Girl Is A Runner
  • Drinking And Belonging To The Sea
  • In Todays Parties
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