Turbostaat - Vormann Leiss - Cover
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Turbostaat Vormann Leiss


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 35 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Guten Tag / ich bin Lee Hoi Chuen / mein Sohn macht Filme in den USA“. Noch Fragen? Turbostaat lassen sich immer noch nicht in vorgefertigte Sparten pressen, und auf ihrem nunmehr dritten Studioalbum bewegen sie sich gekonnt zwischen trotzigem Pessimismus und rotziger Aufbruchstimmung.

Das Neue der fünf Nordlichter klingt wie man es von einer Band erwarten kann, die sich Aggression und Resignation auf ihre lyrischen Fahnen geschrieben hat. Aber im Gegensatz zu den beiden vorherigen Veröffentlichungen „Schwan“ und „Flamingo“ hat es diesmal den Anschein, als hätten die Jungs zur Abwechslung auch hier und da die Melodie für sich entdeckt. Gleich geblieben sind die aus dem Leben gerissenen Geschichten. Wie Immer klingt die Stimme von Sänger Jan wunderbar aggressiv, bestimmend, verzweifelnd und großkotzig zugleich. Die Lyrics sind auch diesmal beim ersten Hören nur schwer im Großhirn zu verarbeiten. Turbostaat lassen sich nicht unterkriegen. Nicht geduckt, sondern mit erhobenem Kopf spielen sie sich die aufgestaute Wut, die Verzweifelung und die Hoffnung von ihren geschundenen Herzen und Seelen.

„Leb doch mehr wie Deine Mutter, leb bloß nicht so wie ich“ heißt es auf der ersten Singleauskoppelung „Harm Rochel“. Und besser kann man die sich aufbauende und gleich wieder entladende Stimmung auf „Vormann Leiss“ nicht in Worte fassen. Dies ist der adäquate Soundtrack für jedermanns ganz persönlichen Widerstand. Nach dem Motto: Sei glücklich, auch ohne das zu tun was man Dir sagt. Musikalisch wurde ebenfalls zu einem gehörigen Sprung nach vorne angesetzt. Die Instrumente werden jetzt viel bewusster und konsequenter bearbeitet. Sei es der quälend aber gleichzeitig unverschämt eingängige Riff in „Der Frosch Hat’s Versaut“, oder die verzwickte, von den Gitarren gehetzte und mit enormer Melancholie zugebaute „Insel“.

Die schwere wummernde Bassline auf „Ja, Roducheln oder die breite von elektrisierendem Gitarrengraffiti besprühte Klangwand auf „Bei Flugbaums“. Ehrliche und treibende Rockmusik mit viel Lautstärke und manchmal auch mit progressiv-musikalischen Auswucherungen garniert. Wie auf dem staubigen und dennoch sich am melodisch roten Faden entlanghangelnden „Am Ende Einer Reise“ und dem schonungslos wirbelnden und sich am eigenen Tempo hochschaukelnden Titeltrack.

Turbostaat bringen es auf den Punk(t). Unterschiedlichste Subkulturen verschwinden von der Bildfläche, angepriesene „hippe“ Trends kommen und verschwinden in Windeseile. Eine Gesellschaft voller Gewalt, Missgunst und Egomanen Zügen. Zugegeben, alles äußerst schwarzmalerisch. Aber für die gute Laune haben wir ja immer noch die stets gutgelaunten „Sportis“. Das hier ist ein Album, vollgepackt mit alltäglichen Beobachtungen, die nicht bewertet, sondern erzählt werden. Und dass mit einer punkrockigen und heilenden Intensität, die „Vormann Leiss“ zur überzeugendsten Platte der Stunde machen.

Anspieltipps:

  • Harm Rochel
  • Haubentaucherwelpen
  • Schalenka Hase
  • Bei Fugbaums
  • Vormann Leiss
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