Bushido - 7 - Cover
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Bushido 7


  • Label: Ersguterjunge/SonyBMG
  • Laufzeit: 75 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom Bordstein zur Skyline, Tempelhof adé! Bushido, der Gold-Rapper aus dem Ghetto, hat sich im Frühjahr für schlappe 1,2 Millionen Euro zuzüglich Umbaukosten von geschätzten 250.000 Euro eine edle Luxusvilla im Südosten Berlins, genauer in Zehlendorf, gegönnt. Auch ein eigenes Tonstudio im Wert eines Einfamilienhauses sowie ein nagelneuer AMG-Mercedes als Zweitwagen im Gegenwert einer Eigentumswohnung zählen mittlerweile zu den Besitztümern des selbsternannten Straßen-Rappers. Jeder kann – und soll! – sehen, dass es Mohammed Ferchichi alias Bushido geschafft hat und weit und breit keine Konkurrenz für ihn in Sicht ist.

Nicht nur deshalb teilte „King Bushido“ im Vorfeld der Veröffentlichung seines siebten Soloalbums (sinnigerweise „7“ benannt) ordentlich aus und distanzierte sich deutlich von Möchtegern-Gold-Rappern wie z.B. Massive, die lediglich ein paar Tausend CDs verkaufen, um „damit die Raten ihrer gebrauchten 3er BMWs bezahlen zu können“. Ganz klar, Bushido spielt ganz allein in einer anderen Liga und dürfte sich inzwischen sogar Platin-Rapper nennen, während die Konkurrenz nur noch dünnes Blech um den Hals gehängt bekommt. Dieser Erfolg kommt natürlich nicht von ungefähr. Deshalb muss man dem 28-Jährigen neidlos zugestehen, dass noch kein Rapper vor ihm so geschäftstüchtig war. Denn anstatt mittlere Erfolge wie doof zu feiern, legt der Berliner stetig nach und bastelt an seiner Karriere.

Urlaub ist seit acht Jahren ein Fremdwort für den Rapper. Das Business steht an erster Stelle. Und so ist der Vertriebspartnerwechsel von Universal zu SonyBMG auch wieder so ein genialer Schachzug, mit dem Bushido – Erfolg vorausgesetzt – den finanziellen Gewinn bei größter künstlerischer Freiheit weiter maximieren kann. Der Bursche lässt einfach nicht nach, auch wenn es auf Dauer ziemlich nervt, dass sich Bushido als Junge von der Straße bezeichnet (der er nicht ist!), aber auf der anderen Seite in jedem zweiten Song seinen Gold-Rapper-Status herausstellt. Diese Eindimensionalität versucht Bushido zu kaschieren, indem er Geschichten erzählt, die nichts weiter als Projektionen seines eigenen Lebens auf fiktive Figuren darstellen. Genauso abturnend ist es, wenn der Hörer (oder wer auch immer) grundsätzlich direkt von Herr Ferchichi angesprochen wird („Du bist dies, Du bist das, Du bist jenes – aber ich bin der Größte“). Ernsthaft: Nach zehn Jahren und sieben Alben könnte hier langsam mal etwas anderes kommen.

Mit über 100.000 „7“-Vorbestellungen und der ersten Top-10-Single seines Lebens („Alles verloren“), läuft für Bushido weiterhin alles wie am Schnürchen. Längst hat er die engen Rap-Grenzen gesprengt und den Status eines Popstars inne. Und weil Bushido das weiß, kann er entsprechend darauf reagieren. So ist allgemein bekannt, wie wichtig der Werbeeffekt der ersten Singleauskopplung ist. Der Song muss eingängig sein und darf inhaltlich die Grenzen des guten Geschmacks nicht zu sehr attackieren. Mit „Alles verloren“ gelingt dem Rapper dieses Kunststück fast schon zu perfekt. Hier treffen wuchtige Beats auf Melodiesamples, zu denen Bushido derartig sanft rappt, dass sein Part auch als „normaler“ Gesang durchgeht. Dass es sich in dem Stück weitgehend und zum wiederholten Mal um den üblichen Ghetto-Quatsch dreht, nimmt der Hörer gar nicht mehr zur Kenntnis.

Sehr wohl zur Kenntnis genommen wird dagegen, dass die u.a. von Bizzy Montana, DJ Stickle, Beatlefield, Chakuza, Nyze und Decay zusammengeschraubten Tunes erneut nur selten Anlass zur Ekstase geben (etwa bei „Heile Welt“). Bei CD-Veröffentlichungen im Jahresrhythmus ist dies auch kein Wunder. Im Stile von Bandarbeitern schmeißen Bushido und Co. Musik und Texte im Dutzend auf den Markt. Musikalische Überraschungen und inhaltliche Abwechslungen bleiben dabei auf der Strecke. Selbst extrem private Texte wie in „Reich mir nicht die Hand“ lösen keine Aufmerksamkeit mehr aus, nachdem die Story schon vor Wochen in der Bravo zu lesen war („Bushido: Ich hasse meinen Vater!“).

Wie schon das Vorgänger-Album „Von Der Skyline Zum Bordstein Zurück“ kann auch der „7“-Genuss die Faszination Bushidos nicht erklären. Nach Auftritten in der JBK-Show und anderen entlarvenden Interviews, wird eher der Eindruck eines kühl kalkulierenden Menschen verstärkt, der sich bewusst mit Politik und Medien anlegt, um im Gespräch zu bleiben. Deshalb muss man dem Rapper uneingeschränkt recht geben, wenn er konstatiert: „Es ist schon komisch. Obwohl mich die deutsche HipHop-Szene (und nicht nur die, Anmerkung der Red.) abgrundtief hasst, bin ich es, der sie mit jedem meiner Alben am Leben hält“. Traurig, aber wahr...

Anspieltipps:

  • Wahrheit
  • Abschaum
  • Heile Welt
  • Gibt es dich?
  • Alles verloren
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