Jingo De Lunch - The Independent Years - Cover
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Jingo De Lunch The Independent Years


  • Label: Rookie Records/CARGO
  • Laufzeit: 67 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Als 1987 Joseph Ehrensberger, Steve Hahn, Henning Menke, Tom Schwoll und die herausragende, amerikanische Rock-Röhre Yvonne Ducksworth unter dem Namen Jingo De Lunch mit ihrem eigenen Mix aus Punk, Hardcore und Rock´n´Roll um die Ecke kamen, war die Begeisterung in der alternativen Musikszene groß. Wütend und brachial, doch auch mit dringlichen Melodien und der faszinierenden Stimme von Miss Ducksworth ausgestattet, erschütterte der Fünfer die bisherigen Hörgewohnheiten in Deutschland. Drei Monate nach der Bandgründung erschien bereits das Debüt „Perpetuum Mobile“, welches noch heute als Hardcore-Referenz gilt. Ergänzt um Auszüge aus der bisher nur auf Vinyl veröffentlichten EP „Cursed Earth“ und Songs vom zweiten Album „Axe To Grind“ ist die zur 20-Jahre-Jubiläumstour in die Geschäfte wandernde Compilation „The Independent Years 1987-1989“ ein starker Beleg für die noch heute aufblitzende Präsenz der Berliner in Hardcore/Punk-Kreisen.

Gleich von der ersten Sekunde ist klar, wohin der Weg auf diesem Tonträger gehen wird. Gefangene werden zumindest keine gemacht, wenn das Schlagzeug nervös zuckt, die Gitarren-Riffs hereinbrechen und Yvonne Ducksworth energisch über den Songs thront. Großartig, wie zum Beispiel in „Peace Of Mind“ zeitweise das Tempo langsam gedrosselt wird, um blitzartig wieder zu beschleunigen und räudig den Moshpit anzuheizen. Das folgende „Jingo“ rockt größtenteils im Midtempo-Bereich, doch nicht ohne den obligatorischen Abgeh-Part zu vernachlässigen. Absolut lässig und wie man sagen könnte, arschcool, geben sich die fünf Hauptstädter freigeistigen Brachial-Orgien hin, die auf seltsame Art und Weise immer wieder einen Hauch Pop bereithalten.

Obwohl man beileibe nicht von filigranen Arrangements reden kann und das Hauptaugenmerk unmissverständlich auf knackigen Punk/HC-Eruptionen liegt, blitzen schnittige Gitarrenläufe auf, die schon mal in Richtung Old School Metal schielen, um doch wieder in wütender Proberaum-Atmosphäre abzutauchen. Wer wissen möchte, was diese von Jingo De Lunch vor 20 Jahren neu akzentuierte Spielart mit den vier, oftmals völlig sinnentleert verwendeten, Buchstaben, einst geboten hat und auch heute noch bieten kann, ist mit dieser bestens ausgestatteten Zusammenstellung samt allen Texten, Linernotes und raren Bildern gut versorgt. Remastert wurde „The Independent Years“ von Dog Young (u.a. Beatsteaks, Terrorgruppe, Bela B.) und zeigt dadurch auch soundmäßig, wie hoch die Messlatte für dreckigen, seelenvollen Punkrock hängen kann.

Anspieltipps:

  • Peace Of Mind
  • Scarecrow
  • Bad Vibes From Suzy
  • Seen And Done
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