Annett Louisan - Das Optimale Leben - Cover
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Annett Louisan Das Optimale Leben


  • Label: 105 Music/SonyBMG
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern wirkt Album Nummer drei zu stark bemüht, einen neuen Level an Unbekümmertheit und facettenreicher musikalischer Kost zu inszenieren.

Als vor drei Jahren das Debüt „Bohéme“ (10/2004) erschien, verbreitete sich die Kunde der rehäugigen Deutschen, die mit süßlicher Stimme und von minimalistischer Instrumentierung begleitet Chansons vorträgt, wie ein Lauffeuer. Doppel-Platin war letztendlich die Frucht, die Annett Louisan für ihren locker-lasziven Pop-Beitrag ernten durfte. 12 Monate später legte sie bereits mit „Unausgesprochen“ (10/2005) nach und verzückte ein weiteres Mal mit eigenwilligen Arrangements aus Jazz, Pop und Chanson und verdiente sich eine weitere Platin-Auszeichnung, während sie die Attribute „Pop-Lolita, sexy, verrucht, clever, femme fatale und Vamp“ auf den zierlichen Körper geschrieben bekam.

Für den dritten Streich hat Fräulein Louisan ihr Erfolgsrezept natürlich nicht wesentlich abgeändert und vollführt auch auf „Das optimale Leben“ einen gelungenen musikalischen Spagat und wandelt gekonnt zwischen den Stilen. Zwar ist der gesangliche Duktus im Opener „Das alles wäre nie passiert“ etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch läuft Annett gleich mit dem anschließenden, zurückhaltend instrumentierten „Kleine Zwischenfälle“ langsam aber sicher zur Höchstform auf und gefällt durch die Verschmelzung von lyrischer Rafinesse, die ein weiteres Mal in Zusammenarbeit mit Musiker, Texter und Produzent Frank Ramond gezimmert wurde, und musikalisch perfekt dargebotenem, ständig wechselndem Ambiente.

So geht es mal etwas schwermütiger („Was haben wir gesucht“, „Wenn man sich nicht mehr liebt“, „Ende Dezember“) mal flotter und mit kubanischen Rhythmen wie Cha Cha Cha („Er“) oder Bossanova („Die sein“) versetzt ans Werk oder die Songs bemühen sich um eine lockere Bar Jazz-Atmosphäre („Rosenkrieg“, „Die Wahrheit“, „Dings“). Dadurch genießen einige Stücke jedoch eine dermaßen frappante Belanglosigkeit, dass sogar der Text in den Hintergrund gedrängt wird und die Musik nach vorne tritt. Paradigmen hierfür sind das unaufdringliche „Ich ...be dich“, das sich zwar zum Kuscheln und verliebt in die Augen blicken anbietet, ansonsten aber keine großen Überraschungen birgt, sowie „Die sein“, welches sich zum Nebenbeihören optimal in Szene setzt, was allerdings gegen die Musik von Annett Louisan spricht, steckt textlich schließlich meist eine kluge und witzige Betrachtung des Lebens zwischen Mann und Frau dahinter.

Womit die Achillesferse von „Das optimale Leben“ getroffen wurde. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern wirkt Album Nummer drei zu stark bemüht, einen neuen Level an Unbekümmertheit und facettenreicher musikalischer Kost zu inszenieren. Gerade hinter einem Titel wie „Dings“ hätte man von Frau Louisan etwas mehr Witz erwartet und bekommt stattdessen eine abgehangene Idee geliefert, die in eine wackelige Schlusspointe gipfelt. Außerdem bereitet die Vielzahl an Songs im Stile des melancholischen „Ende Dezember“ wenig Potential zum Schmunzeln, was auf Dauer einschläfernde Nebeneffekte mit sich bringt, wodurch der dritte Longplayer der Deutschen zwar immer noch recht nett anzuhören ist, aber eben nicht mehr.

Anspieltipps:

  • Er
  • Gendefekt
  • Rosenkrieg
  • Was haben wir gesucht
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