The Coral - Roots And Echoes - Cover
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The Coral Roots And Echoes


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 42 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Irgendwann musste es passieren und nach vier Top-5-Alben in weniger als drei Jahren, ständigen Tourneen und jeder Menge Dope war es so weit: Die ehemalige Schülerband The Coral war ausgebrannt und schien am Ende zu sein. Der Preis des Erfolges hieß zehn Jahre nach der Gründung die Auflösung der Band und das Ende des genial-wirren Psychedelic-BritPop mit Folk-, Rock-, Country-, Shanty- und Polka-Einlagen, mit dem The Coral einen sehr speziellen Status in der aktuellen Musikszene erlangt hatten. Wie schrecklich!

Zum Glück besannen sich die sieben Musikerfreunde eines besseren und gingen in ihre Heimatstadt Hoylake im Norden Englands zurück, um von vorne anzufangen. Nach fast vier Jahren nonstop on Tour kehrte wieder so etwas wie Normalität bei den Jungs ein und irgendwann war auch der Spaß am Songschreiben wieder da. Und weil Oasis-Boss Noel Gallagher ein großer Fan der musikalischen Rasselbande ist, stellte er The Coral sein Aufnahmestudio kostenlos zur Verfügung. Dort bastelten die Sieben zusammen mit Produzent Craig Silvey (Rushmore, The Magic Numbers) unverkrampft und drogenfrei an neuen Songs, die zu den besten zählen, die The Coral jemals aufgenommen haben.

Unglaublich, aber wahr: The Coral haben tatsächlich ihren Schutzpanzer abgeworfen, hinter dem sie sich jahrelang versteckten. Dieser bestand aus schwerverdaulichen Jam-Sessions und progressiven Frickeleien, die The Coral nur schwer zu begreifen und ihre Songs zu total abgefahrenen Kolossen machten. Damit ist jetzt – und es ist wirklich kaum zu glauben! – ein für allemal Schluss! Ohne Druck und mit dem besten Vintage-Equipment weit und breit aus dem Besitz von Noel Gallagher, wurden elf Songs für „Roots & Echoes“ vornehmlich live eingespielt. Songs, die herrlichsten 60s-Pop mit nur noch ganz zarten Psychedelic-Einflüssen darstellen und dennoch eine unheimliche Nähe zu den Doors verströmen – den Vorbildern von The Coral.

Obwohl die Coral-Jungs nicht älter als Mitte 20 sind, ist ihr fünftes Studioalbum das bisher reifste und zugänglichste geworden. Da trifft Northern Soul im besten Sinne („Who’s gonna find me“) auf spritzige Beatmusik („Remember me“, „In the rain“) und wunderschöne Hippie-Melodien zum niederknien („Put the sun back“, „Jacqueline“). Und würden wir es nicht besser wissen, könnte man Songs wie „Fireflies“ und „Not so lonely“ tatsächlich für Outtakes des The-Doors-Debütalbums halten. Hut ab vor soviel Einfallsreichtum und der an Authentizität nicht zu überbietenden Umsetzung, die ohne Polka-Quatsch und aus der Not geborenen Prog-Rock-Mumpitz auskommt!

Anspieltipps:

  • Fireflies
  • Jacqueline
  • Rebecca you
  • Not so lonely
  • Put the sun back
  • She’s got a reason
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