Kanye West - Graduation - Cover
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Kanye West Graduation


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Seine Erfolgsgeschichte liest sich, wie ein Märchen: 2004 eroberte der selbst ernannte Louis Vuitton Don die Rapwelt mit seinem Klassikerdebüt „College Dropout“. Es folgten mehrere Grammys sowie das ebenfalls hervorragende zweite Album „Late Registration“ im darauf folgenden Jahr. Die Wiederbelebung von Common und die Entdeckung von R&B-Meister John Legend sicherten Mr. Kanye West den altbekannten Ruf, was er anfasst, wird zu Gold. Kein Wunder also, dass sich der Gute ein ordentliches Ego aufgebaut hat und es auch daher nur schwer verkraften konnte, als Verlierer bei den MTV Music Awards dazustehen.

Um sein geknicktes Selbstbewusstsein nun wieder hochzupushen, scheint „Mr. West, Mr. Fresh, Mr. by his self, he’s so impressed!“ seinen Polo-Kragen hoch zu stellen, die Gucci-Brille aufzusetzen und mit Selbstverliebt-geschwellter Brust die Bühne zu betreten. Wenn nicht die Bühne, dann zumindest das Studio. Denn Kanyes Drittwerk „Graduation“ protzt nur so mit überheblichen Lyrics und einem Kanye West, der sich selbst in höchsten Tönen lobt und sich feiert, als ob er gerade ein Menschenleben gerettet hätte. Und das in allen 13 Songs wohlbemerkt!

Dass West keine Fitnesspläne mehr entwirft, mit Jesus auf Wandertour geht („College Dropout“), sich mit Blutdiamanten auseinandersetzt, den Schuldigen für die Crack-Epidemie sucht oder einfach nur seine familiären Wurzeln besingt („Late Registration“), macht Graduation aber nicht automatisch zu einem schlechten Album. Ganz im Gegenteil. Kanyes neue Platte spuckt einige sehr gute Songs aus, wenn auch nicht so viele, wie bei den Vorgängern.

Den ersten Hit landet Mr. West mit seiner zweiten Single und Sample von Daft Punk „Stronger“. Hier gelingt Kanye, die wohl beste Verschmelzung von Dancemusic und HipHop seit MC Hammer. „That don’t kill me / can only make me stronger“ lautet die Botschaft und hilft wohl bei der Überwindung, als mieser Verlierer bei den MTV Music Awards verabschiedet worden zu sein. Single Nummer Eins „Can’t Tell Me Nothing“ ist allen Anschein nach eine Kampfansage an den Rest der Welt. Mit aggressivem Flow rappt Kanye „This is my life homie, you decide yours“.

Ein weiteres “ins Rampenlicht stellen der eigenen Person” gestaltet Mr. West in „Champion“, hinter dem sich ein Steely Dan-Sample verbirgt. Die hüpfenden Drums und die aufgeplusterten Lyrics: „You don’t see just how wild the crowd is? You don’t see just how fly my style is? I don’t see why I need a stylist when I shop so much I can speak Italian” schauen thematisch zwar nicht über den eigenen Polo-Kragen-Rand, doch stylisch ist “Champion” allemal.

Einen Feel-Good-Song gibt es zusammen mit T-Pain in „Good Life“ ebenfalls auf die Ohren, wobei hier das Sonnenschein-Feeling voll und ganz zum Ausdruck kommt. Neben der Kollaboration mit T-Pain sind weitere Features von Lil Wayne, Dwele und Mos Def zu finden. Letzteres enttäuscht nach der letzten Kollabo auf „Late Registration“ auf ganzer Linie. Denn wie der Songtitel „Drunk and hot girls“ schon sagt, hören sich Kanye und Mos nur wie zwei betrunkene Möchtegern-Rapper an. Schade, denn diese beiden Künstler hätten eigentlich mehr drauf.

Auf „Graduation“ vermisst man ebenfalls Langzeit-Features wie Common, Consequence oder auch Jay-Z, welche den Wert des Albums um einiges höher geschaukelt hätten. Ein weiteres Highlight sind allerdings die Scratch-Einlagen von Legende DJ Premiere in „Everything I Am“, - einer wunderschönen Ballade, die man von Kanye gar nicht erwartet hätte. „The Glory“ und „Homecoming“ sind ebenfalls zwei zu empfehlende Songs von „Graduation“, wobei hier vor allem das Wechselspiel von Instrumental und Piano ein Kunststück ist.

Fazit ist, dass Kanye West mit „Graduation“ ein solides und gutes Album auf die Beine gestellt hat, das sich nicht an seinen Vorgängern orientiert, sondern ein eigenes Stück Kanye-West-History darstellt. Inhaltlich und textlich macht unser Louis Vuitton Don auf richtig dicke Eier, ohne dabei einen seiner Kollegen zu dissen. Sein Rivale 50 Cent, der sein neues Album „Curtis“ am gleichen Tag veröffentlicht hat und mit der Message drohte, seine Karriere an den Nagel zu hängen, wenn sich Kanyes Album besser verkauft, kann sich warm anziehen. Denn „Graduation“ ist trotz der Selbstverherrlichung ein Album mit Stil.

Anspieltipps

  • Stronger
  • Good Life
  • Everything I Am
  • The Glory
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