Aiden - Conviction - Cover
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Aiden Conviction


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem Aiden bereits 2004 mit ihrem Debüt „Our Gang’s Dark Oath“ einige Erfolge verbuchen konnten, schafften die fünf Jungs aus Seattle 2005 mit ihrem ersten Victory Records-Output “Nightmare Anatomy” den ersehnten Durchbruch in den USA und tourten mit den Emo-Rockern von Hawthorne Heights und Silverstein durch die Staaten. „The most notable band to come out of Seattle since the grunge era... both terrifying and magnificent to behold.”, schrieb die Fachzeitschrift Kerrang!. Damals traf das im Wesentlichen auch noch zu, war der “Dark-Punk” mit Hardcore-Einschlag den Aiden fabrizierten durchaus empfehlenswert und extrem frech. Ständig wurde straight nach vorne gespielt – kein Interesse an ruhigen Momenten, die vielleicht ein Abrutschen in überfüllte Emocore-Täler zur Folge gehabt hätten.

Doch auf „Conviction“ passiert leider genau das! War man gerade dabei den Berg der Eigenständigkeit zu erklimmen, ohne sich darum zu scheren, was um einen herum passiert, scheint man nun freiwillig den Abstieg anzutreten. Zurück ins Tal der Gleichförmigkeit und Konformität. Jeder Song auf „Conviction“ läuft nach dem selben Schema ab: verhaltene Strophe geht in einen melodischen Refrain über, in dem auch mal die vier anderen Bandmitglieder um Sänger Will Francis ins Mikro grölen dürfen. Ansonsten versucht der Frontmann in den teils sehr verhaltenen Passagen („Darkness“, „The Sky Is Falling“) sein Bestes, doch der kompromisslose Hardcore-Punk früherer Tage stand ihm deutlich besser zu Gesicht, und so klingt die ein oder andere Strophe eher bemüht als gekonnt. Shouts, die auf „Nightmare Anatomy“ noch zum ständigen Repertoire gehörten, findet man auf „Conviction“ gerade noch vereinzelt in „Son Of Lies“ und die ständigen Texte um Liebe, Verzweiflung, Schmerz und Selbstmitleid kommen einem bald wirklich zu den Ohren wieder raus. Aber auch der Rest der Band hat wohl nicht nach kreativen Ansätzen gesucht, sondern eher nach der „Emo-Rock-Mottenkiste“ – und leider wurden sie fündig.

Kein Riff der beiden Gitarristen Angel Ibarra und Jake Wambold klingt irgendwie innovativ oder aufregend. Ständig bekommt man das alltägliche Emo-Geschrammel vorgesetzt. Auch Schlagzeuger Jake Davison und Basser Nick Wiggins bemühen sich erst gar nicht etwas anders zu machen als alle anderen Emo-Bands dieser Erdkugel. Einzig das vereinzelt eingesetzte Piano („One Love“, „Believe“) sorgt für etwas Abwechslung im tristen Emo-Tal – und dauernd fragt man sich, wo das Feuer und der Spaß geblieben sind, den Aiden einst verbreitet haben.

Eingefleischten Aiden-Fans müsste es wohl übel aufstoßen, wenn sie sich das Material zum ersten Mal zu Gemüte führen. Dafür darf die alteingesessene Emo-Gemeinde eine Band mehr in ihrem Tal der Scheitelträger willkommen heißen. Und der Berg der Eigenständigkeit wirkt von hier unten erschreckend hoch – fast unbezwingbar.

Anspieltipps:

  • Son Of Lies
  • Believe
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