Rilo Kiley - Under The Blacklight - Cover
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Rilo Kiley Under The Blacklight


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 37 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Talentierte Musiker sollten sich nicht verbiegen lassen!

„Unter dem Schwarzlicht“ sieht man ja immer sämtliche Fuseln, was nicht so schön ist. Deshalb hat sich Rilo Kiley’s Frontfrau Jenny Lewis direkt mal von ihrem Wollpulli getrennt, trägt jetzt irgendetwas aus 0% Baumwolle und sieht ein wenig aus wie Nelly Furtado, Gwen Stefani und Madonna. „Under The Blacklight“ ist das Major-Debüt einer Band, die einst großen Anteil am Erfolg eines kleinen Labels Namens „Saddle Creek“ hatte, dessen geschmackssichere Veröffentlichungen diesem den Status eines „kleinen Dorfes in Gallien“, einer Bastion des Indie-Pop, einbrachten. Dieses Dorf haben Rilo Kiley mit ihrem aktuellen Album endgültig in Richtung Warner Bros verlassen, nachdem die Vertriebswege des Major-Labels bereits im Jahr 2005 für die Verteilung ihres Werkes „More Adventurous“ in Europa genutzt wurden.

Mit einem der ausgezeichneten Blake Sennet Gitarrenriffs und klassischen Handclaps beginnen die neuen Abenteuer der drei Jungs und ihrer charismatischen Frontfrau in „Silver Lining“. Ein starker Opener, der Hoffnung auf ein großartiges Album macht, weshalb sich der weitere Text dann auch vornehmlich mit enttäuschten Hoffnungen befasst. Denn bereits „Close Call“ kann das Niveau nicht halten. Einzig bemerkenswert an der drögen Komposition ist, dass Jenny Lewis hier einmal klingt wie die zauberhafte Tori Amos. Die erste Single („The Moneymaker“) kommt mit griffigem Tanzbeat und laszivem Gesang daher, wird jedoch kein Stück weiterentwickelt und verliert sich in stampfender Monotonie. „Breakin Up“ wagt einen deutlich sympathischeren Ausflug auf die Tanzfläche und könnte gar einer bierseligen Strandbegegnung mit den Beach Boys entsprungen sein. Gruselige und völlig deplatzierte Kirmes-Synthies - für die sich vermutlich selbst die stets jenseits der Schamesgrenze agierenden Jungs von Scooter in Grund und Boden schämen würden - vernichten dann den eigentlich angenehm unaufgeregten Popsong „Under The Blacklight“.

Zur Klärung der Schuldfrage sei hier angefügt, dass Mike Elizondo (Dr. Dre, Eminem, Fiona Apple) und Jason Lader (Jay-Z, Gwen Stefani) für die Produktion verantwortlich zeichneten. „Dreamworld“ ist ein zuckriger Ausflug ins Reich der endlosen Seichtigkeit des Pop, und auch wenn Jenny Lewis nicht mehr wie früher „So Fuckin´ Beautiful!“ schreien darf, scheint das Album doch auf ihre Stimme zugeschnitten. Dementsprechend ist der Gesangsbeitrag Sennets in diesem Lied mit dem Wort „überflüssig“ noch freundlich beschrieben. „Dejalo“ leiht sich im Anschluss den Funk von Chaka Khan, bleibt jedoch seltsam uninspiriert. Sehr gelungen ist hingegen das soulige „15“, in dem Rilo Kiley einmal auf erfreuliche Art und Weise an sich selbst erinnern. Die folgenden Lieder über Rauchmelder und herumhängende Engel sind dann zumindest textlich noch einmal interessanter als der Abschlusssong, der sich an der Kombination moderner Klangerzeuger mit klassischem Folk verhebt. Und mal ehrlich, Wahrheiten wie „You Got To Give A Little Love/To Get A Little Love“ haben wir dann doch auch zu Genüge bereits an anderer Stelle gehört.

Rilo Kiley bezauberten auf ihren vergangenen Alben mit manchmal kantiger, unperfekter und deshalb stets charmanter Musik. „Under The Blacklight“ hat starke Momente, wirkt insgesamt jedoch polierter und gefügiger, weniger verspielt und leidenschaftlich als ihre früheren Veröffentlichungen. Diese Veränderungen dürften vornehmlich der Anpassung an den Mainstream-Geschmack geschuldet sein, weshalb Rilo Kiley nun vermutlich reich und berühmt werden. Und wenn nicht, finden die Vier vielleicht doch noch einmal den Weg zurück in dieses kleine gallische Dorf und holen sich dort ein Fläschchen von dem Zaubertrank, der unbestätigten Gerüchten zu Folge dazu beiträgt, dass talentierte Musiker sich nicht mehr verbiegen lassen!

Anspieltipps:

  • Silver Lining
  • Breakin’ Up
  • 15
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