Blur - Blur - Cover
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Blur Blur


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Album kommt wie ein verwaschener Fleck daher und man muss genau hingucken um zu sehen, welch strahlende Farben sich in diesem Wischiwaschi verstecken.

Blur waren schon immer bekannt dafür, dass ihre Songs nicht allen gefallen können. Manch einer hat sich bei Platten wie „Parklife“ oder „The Great Escape“ nur an den Kopf gefasst, während andere bei Nummern wie „The Universal“ und Co. gejauchzt und frohlockt haben. Jetzt sind Damon Albarn und seine Mannen zurück, um sich endgültig vom BritPop abzuwenden und, nun ja, um irgendetwas zu machen. Die Jungs von Blur lehnen sich zurück und lassen ihren Ideen freien Lauf. Es wird geschnipselt, zerstückelt und gerade gerückt, was man mit Liebe vorher drei Mal auf den Kopf gestellt und in der Waschmaschine durch den Schleudergang gejagt hat. Jetzt stellt sich die Frage, was für ein Stück Musik da jetzt am Ende herausgesprungen ist.

Der Anfang ist mit „Beetlebum“ hervorragend gemacht. Eingängige Melodien und der hypnotische Gesang Albarns, welcher wie immer eine ganz eigene Liga darstellt. Mit dem zweiten Song des Albums, der folgerichtig den einfallsreichen Titel „Song 2“ trägt, bekommt der Hörer es endlich mit dem Lied zu tun, dass wirklich jedem Hörer ausnahmslos gefallen sollte. Der zweiminütige Rocker mit dem inzwischen legendären „Woo-hoo“ liegt einfach nur im Ohr und begegnet einem im Alltag andauernd. Überhaupt überzeugt das erste Drittel des Silberlings mit richtig starken Songs. „Country Sad Ballad Man“ ist eine der eingängigsten Nummern, auf dem Album, wenn Albarn nicht dauernd Tonsprünge machen und den gesamten Track mit diversen Samplern versehen würde. Selbes gilt wohl für „On Your Own“. Die große (positive) Überraschung ist „M.O.R.“, welches beinahe genauso rockig wie „Song 2“ daherkommt.

Wer glaubt, dass es so fantastisch weitergeht wird von „Theme From Retro“ gebremst. Blur ist ja bekannt für mindestens zwei Instrumentalstücke pro Album bekannt und diese sind auch immer gute „Interludes“ um dem Hörer eine kleine Pause zu gönnen. Auch wenn nun „Theme From Retro“ ein paar gute Anklänge hat versinkt letztendlich alles in einem Klangteppich, der wie ein Sammelsurium der überflüssigen Aufnahmen zum Album daherkommt. Und das mehr als drei Minuten lang. Wer diesen Song überstanden hat wird dafür mit einem der schönsten Liebeslieder der Band beglückt. Von der Qualität kommt der Song richtig schrammelig daher, erzeugt so aber genau das richtige Gefühl. Dieser kratzige Stil setzt sich in „Death Of A Party“ fort, welches sehr beatlastig klingt. Verbunden mit Keyboard und den Blurtypisch perfekt in Szene gesetzten Saiteninstrumenten einer der ganz großen Songs auf dem Album. „Chinese Bombs“ ist eines dieser Kurzstücke von Blur, die die Alben einfach so sympathisch machen und leitet nach einer guten Minute an „I’m Just A Killer For Your Love“, welches so viel besser hätte sein können, wenn sie es mit diesem kratzigen Stil, der seinen Mantel über das gesamte Album legt, hier nicht endgültig übertrieben hätten. So verpuffen die Ansätze wieder.

Das letzte Drittel wird von den ruhigeren (und nicht so kratzigen) „Look Inside America“ und „Strange News From Another Star“ eingeleitet. Besonders ersterer klingt jetzt doch ein wenig nach Britpop, aber der gekonnte Einsatz der musikalischen Mittel und besonders die Lyrics machen klar, dass die Popelemente nur dazu dienen um den Inhalt noch satirischer darstellen zu können oder einfach nur fantastischer? Letzteres Lied hätte von Radiohead kommen können, nur würden dann mehr Tränen fließen. Blur sorgt bei diesem Song endlich wieder für Faszination. Ein Song wie „Movin’ On“ ist daneben halt nichts weiter als ein guter Rocksong. Es sind die besonderen Momente und Melodien, die Blur-Alben ausmachen. „Essex Dogs“ ist irgendwie der perfekte Ausklang für das Album. Kein Gesang, Albarn spricht und alles gleicht einer kleinen Jamsession der Band, wie irgendwie auch das gesamte Album.

Berechtigterweise heißt dieses Album „Blur“. Das ist nicht einfach Selbstbetitelung, sondern entspricht der Wahrheit. Das Album kommt wie ein verwaschener Fleck daher und man muss genau hingucken um zu sehen, welch strahlende Farben sich in diesem Wischiwaschi verstecken, so wie man auch das schlichte Braun und ein paar Grautöne akzeptieren muss. Eigentlicher überwiegen die starken, wirklich gelungenen Songs, aber bei all der Experimentierfreude sind zwei, drei Ausrutscher entstanden, welche den Rezensenten davon abhalten hier mit hervorragenden Wertungen um sich zu werfen. Wie gesagt, die Truppe aus England scheint es nie jedem vollkommen recht machen zu können.

Anspieltipps:

  • Song 2
  • M.O.R.
  • You’re So Great
  • Look Inside America
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