Hard-Fi - Once Upon A Time In The West - Cover
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Hard-Fi Once Upon A Time In The West


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Soll ich jetzt lachen oder weinen? Das schießt einem zumindest durch den Kopf, erblickt man das Cover der neuen Hard-Fi-Platte. „No Cover Art“ ist weder lustig noch wirklich aussagekräftig und lässt erste Zweifel aufkommen, ob die Jungs um Richard Archer in den letzten sieben Monaten ihre künstlerische Kreativität auch wirklich voll ausschöpfen konnten. Protest gegen die Verwahrlosung des Albums als Kunstform in der digitalen Musikszene soll es letztendlich sein. Sollte man nicht gerade dann die Besonderheiten eines Albums, zu denen in großem Maße auch die Cover-Gestaltung zählt, in den Vordergrund stellen?

Schieben wir „Once Upon A Time In The West” lieber einfach schnell in den CD-Player und konzentrieren uns auf die wirklich wichtigen Dinge einer neuen LP. Zähneknirschend verfolgten die Briten vor zwei Jahren, wie ihr Erstling die Verkaufszahlen der Konkurrenz aus England noch nicht erreichen konnte und dagegen regelrecht alt aussah. Die Band macht keinen Hehl daraus, dass sie schnell in die Liga der ganz Großen aufsteigen und dazu möglichst viele Platten verkaufen will. Das neue Werk soll dabei natürlich ein wesentlicher Grundstein für den angepeilten Erfolg sein.

Der Titel der ersten Singleauskopplung „Surburban Knights“ gibt schon mal Aufschluss darüber, dass Hard-Fi ihren Ruf als echte Vorstadt-Kerle verteidigen und da weitermachen wollen, wo sie aufgehört haben. Und auch musikalisch schaffen sie dies durchaus, denn die kräftigen Chöre machen aus dem Song ein echtes hymnenartiges Schätzchen, das noch für viel Freude und volle Tanzflächen in der Stamm-Rockdisco sorgen wird. Der Nachfolger von „Hard To Beat“ ist somit schon mal ausgemacht und zeugt vom Hitpotenzial der Briten.

Voll gepackt mit Klavier, Bläsern und Streichern ergibt sich ein etwas komplexerer und erwachsener klingender Sound als früher. Auch diskrete elektronische Elemente verhelfen so manchem Song zu mehr Ausstrahlungskraft und einer Aura, die besonders gut in kleinen Clubs zur Geltung kommt. „Television“, „Can’t Get Along“, „Little Angel“ und „I Shall Overcome“ sind dabei allesamt Songs, zu denen wunderbar getanzt und geschwitzt werden kann. Club- und Radiotauglichkeit werden hier miteinander vereint. Jedoch fehlen diesem Album teilweise die gewisse Würze und Kantigkeit, die Songs unverkennbar und unnachahmbar macht.

Genau dieses Problem tragen auch die anderen Songs der Platte mit sich herum, zum Glück verfallen sie überwiegend aber nicht in die Weiten der Belanglosigkeit. Dazu passen die instrumentalen Untermalungen einfach zu gut. Auch die akustischen Nummern wie „The King“ werden auf diesem Wege aufgewertet und verbreiten einen atmosphärischen Klang. Wuchtig dagegen schallt „Watch Me Fall Apart“ als eine Art britische Pop-Sinfonie aus den Boxen, der Gipfel eines voll beladenen Sounds.

Hard-Fi liefern mit „Once Upon A Time In The West“ ein solides Zweitwerk ab und bewegen sich auf einem einheitlichen Niveau, aus dem nur die erste Single wirklich herausragt. Ob die Verkaufszahlen deutlich über denen des Vorgängers liegen werden, ist fraglich und bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die singletauglichen Stücke der Platte eine mindestens genauso mitreißende Wirkung auf die tanzhungrigen Indiedisco-Besucher haben werden wie die Hits der Konkurrenz.

Anspieltipps:

  • Suburban Knights
  • Watch Me Fall Apart
  • Can’t Get Along
  • The King
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