Tool - Aenima - Cover
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Tool Aenima


  • Label: Zomba/SONY
  • Laufzeit: 78 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist wieder ein anstrengendes Jahr für Rezensenten und Kritiker. Tool haben ein Album herausgebracht und man was gar nicht wie viel Staub man schon wieder heruntergeschluckt hat, bei dem ganzen „sich in den Staub fallen lassen“. Man kniet nieder und bewegt sich kein Stück um bloß keine Sekunde des Meisterwerkes zu verpassen. Alles andere wäre wie immer Majestätsbeleidigung. Manchmal ist es wirklich anstrengend mit Bands wie Tool, denn irgendwann lässt sich keine ernste Kritik mehr ausmachen. Wie soll man Maynard James Keenan (Gesang), Adam Jones (Gitarre), Justin Chancellor (Bass) und Danny Carey (Drums) noch bewerten, wenn sie immer und immer wieder Musik schaffen, die ihrer Zeit lange voraus ist?

Gleich der Beginn mit „Stinkfist“ und „Eulogy“ ist Prog-Rock vom Feinsten und auch wenn viele bei der Länge des zweiten Stückes stöhnen möchten, wissen Tool-Fans, dass diese knappen neun Minuten keineswegs eintönig werden. Es wird gerockt was das Zeug hält, während der Bass die düstere Grundstimmung der Songs hält. Das Schlagzeug müht sich mit aller Kraft ab, um nicht unterzugehen und sorgt so für ansprechenden Hintergrund. Dass es ruhig geht zeigt Keenan mit „H.“ welcher doch tatsächlich massenkompatibel klingt. Ein Lied in welchem Tool ein weiteres Mal unter Beweis stellen, was für ein musikalisches Gespür sie haben. Die typischen Rocker sind aber natürlich die Quintessenz des Albums. Nach der kurzen Atempause kommt mit „Useful Idiot“ wieder ein Riff wo man meint ihn schon genau zu kennen, aber was man da hört ist einfach Tool. Eine Einheit, die den Hörer immer wieder bis zum äußersten treibt und es (fast) nie übertreibt. So rockig der Stil der Band aber auch ist muss sich „Forty Six & 2“ den Vorwurf gefallen lassen ein wenig wie „Useful Idiot“ zu klingen. So abwechslungsreich wird die Musik der Band normalerweise nämlich durch Ausreißerstücke, die hier ausnahmsweise fehlen.

„Message To Harry Manback“ ist dann der Beginn der ganzen Pausen in diesem Album“. Ein kaum hörbares Pianospiel untermalt einen (unglaublich ruhigen) Hassanruf, bevor „Hooker With A Penis“ durchstartet und mit den typischen Stärken der Band auftrumpft. Jetzt kommen die Unterbrechungen in regelmäßigen Abständen. Bei „Intermission“ fragt man sich ernsthaft, ob Keenan schon einmal „Blur“ gehört hat. Ein fast schon lustiges Orgel-Keyboard Spiel, dass aus dem Rahmen fällt, bis es sich als Grundrhythmus des tiefschwarzen „Jimmy“ herausstellt. Die verlorene Stimme des Sängers, welche doch Mittelpunkt des Klanguniversums bleibt ist umgeben von treibenden Melodien, die nie zu hart werden. Das verstörende „Die Eier von Satan“ ist ein Backrezept, das man nicht unbedingt zu Hause nachahmen sollte. Zumindest ist es erfreulich, wie gut auch in Amerika deutsch gesprochen werden kann. Solch verrückte Stücke machen diese Gruppe aus. Nach so einem psychedelischen Trip kommen Songs wie „Pushit“ einem fast zu normal vor. „Cesaro Summability“ ist wieder mal gedacht um den Silberling zum Platzen zu bringen. Nicht mehr, nicht weniger.

Dann kommen wir endlich zum Titel gebenden Stück „Aenema“, welches endlich wieder wirklich anders klingt und sich von den anderen Songs völlig abhebt. Die Melodie ist einfach eine andere, ohne nicht mehr nach Tool zu klingen. Leider muss es auf diesem bisher wirklich ausgezeichneten Album einen Schwachpunkt geben. „(-) Ions“ ist der guten Dinge zu viel. Stromkreise abzulauschen und Gewitter im Hintergrund haben tatsächlich eine Faszination, aber nicht über vier Minuten lang. Die knappe Hälfte hätte es auch getan. Dieses Stück ist überflüssig und man sollte nicht einfach darüber hinwegsehen. „Third Eye“ ist dann noch mal geballte Rockpower nur fragt man sich, ob die Jungs das auch Live aushalten 14 Minuten lang zu spielen. Trotz der Länge zieht sich das Lied aber nicht wirklich, da wirklich viele Details und Abwechslung darin stecken. „Third Eye“ spiegelt das Album sehr gut wieder. In all seiner Genialität und seinen kleinen Fehlern. Wenn Tool etwas anpacken, kommt halt immer ein richtiger Brocken, ein Koloss heraus.

Anspieltipps:

  • H.
  • Die Eier von Satan
  • Aenema
  • Third Eye
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