Sigur Rós - Ágaetis Byrjun - Cover
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Sigur Rós Ágaetis Byrjun


  • Label: PIAS Recordings
  • Laufzeit: 72 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Was hat Björk da nur wieder angerichtet? Es scheint geradeso, als seien Isländer inzwischen nicht mehr in der Lage konventionelle Musik zu schreiben. Nein, es wäre falsch hier irgendwelche Rückschlüsse auf Björk zu ziehen. Die skandinavische Combo Sigur Rós hat noch einmal andere Wurzeln und Ideen, welche sie musikalisch Umsetzen. Jónsi Thór Birgisson (Gesang, Gitarre), Kjartan Sveinsson (Keyboard), George Holm (Bass) und Orri Páll Dýrason (Drums) wollen ihre Hörer mit langen und immer wieder klassisch untermalten Stücken begeistern. Als Kontra wird natürlich auf viel Elektronik und Birgissons ungewöhnliche Stimme gesetzt. Um es gleich vorneweg zu sagen: Ja, die vier Isländer sind exzentrisch. Zumindest ist es ihre Musik.

Eine Laufzeit von 72 Minuten ist schon sehr ordentlich für einfaches Album. Aber da es irgendwo zwischen progressiver und avantgardistischer Musik angesiedelt ist, ist das nicht so verwunderlich. Allerdings ist damit auch die Durchschnittslänge der Tracks klar, besonders da das Intro gerade mal eine gute Minute lang ist. Sigur Rós ist keine Band für ein kurzes Vergnügen. Diese Songs hört man nicht einfach Mal zwischendurch. Feiner Elektro-Avantgarde-Pop saust einem um die Ohren und die Streicher kriegen in dem ein oder anderen Song überhaupt keine Pause („Staralfur“). Das ist wirklich schlön und man muss einfach anfangen zu träumen. Die Musik von Siegesrose (So der Bandname zu deutsch) lädt schlicht zum Abheben ab. Und man fliegt 72 Minuten und fühlt sich weit über allem anderen.

Das ist keine Musik wie sie sich in den Charts finden lässt, was ihnen aber nicht unbedingt einen Bonus einbringt. Genug progressive Musiker haben erkannt, dass man sich auch mal kurz ausdrücken können muss. So sind Lieder wie „Svefn-G-Englar“ oder „Viorar Vel Til Loftarasa“ eigentlich brillante Stücke, aber man kriegt an der ein oder anderen Passage doch Denkfalten, ob hier nicht einfach nur die Zehnminutenmarke geknackt werden sollte. Eigentlich erreichen die meisten Stücke ihren Zenit, werden dann aber durch ein Break fast gewaltsam gestoppt, nur um das Finale noch einmal beginnen zu können. So innovativ und frei die Musik der Band auch sein mag, grenzen sie sich gerade dadurch furchtbar ein, dass sie dieses Album ausschließlich für (sehr) geduldige Hörer geschrieben haben (wenn überhaupt).

Das Album hätte auch zwanzig Minuten kürzer sein können und es hätte niemand bemerkt und vielleicht wäre ihre Musik dann auch leichter verdaulich, nur wollen sie das vielleicht gar nicht. Gerade Stücke wie der Titeltrack könnten ohne Probleme mit Stücken von Gefühlsbands wie Coldplay oder Keane aus Britannien mithalten würden die vier Skandinavier nicht alles immer so in die Länge ziehen. Im Endeffekt bleibt festzuhalten, dass Sigur Rós ihre Ambitionen ganz klar zum Ausdruck bringen, aber mit ihren persönlichen Vorstellung diese nicht auszuschöpfen vermögen (oder besser gesagt: Sie viel zu sehr und einseitig ausschöpfen). So findet die CD den Weg zum Player nur, wenn der Hörer wirklich Zeit hat und die Repeat-Taste dürfte wohl auch unangetastet bleiben. Schade.

Anspieltipps:

  • Staralfur
  • Olsen Olsen
  • Avalon
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