B-Tight - Neger Neger (Ghetto Edition) - Cover
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B-Tight Neger Neger (Ghetto Edition)


  • Label: Aggro Berlin
  • Laufzeit: 65 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Obszön, sexistisch, frauenverachtend, rassistisch – B-Tight hat sich mit seinen Texten einen fragwürdigen Namen in der Rapszene gemacht.

In ihren Anfangstagen waren Robert Edward Davis alias Bobby Dick alias B-Tight und sein Kumpel Paul Würdig alias Sido beim Berliner Underground-Label Royal Bunker als das Duo „Royal TS“ unter Vertrag. 2001 wechselten sie gemeinsam zu Aggro Berlin, das schon bald zur Zentrale des neuen deutschen Gangsta-Raps wurde. Aber während Sido in der Folgezeit in den Charts abräumte („Maske“), stand B-Tight eher in der zweiten Reihe. Es ist zwar als Mitglied von Die Sekte auf drei Alben zu hören und es gibt massenhaft Features auf Platten u.a. von Fler, Bushido, Sido und King Orgasmus One sowie auf den „Aggro Ansage“-Samplern, doch mit „Neger Neger“ erscheint jetzt mit einiger Verspätung das erste „richtige“ Solowerk des schwer umstrittenen und von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien am meisten indizierten Rappers.

Obszön, sexistisch, frauenverachtend, rassistisch – B-Tight hat sich mit seinen Texten einen fragwürdigen Namen in der Rapszene gemacht, der für blanko Provokation und Erfolg mit allen Mitteln steht. Daran ändert – wie sollte es anders sein – auch „Neger Neger“ nichts: Das Booklet-Artwork überschreitet mit bluttriefenden, abgeschnittenen Köpfen die Grenzen des guten Geschmacks recht deutlich und stellt jede Death/Black-Metal-Kapelle als Micky-Mouse-Verein hin. B-Tights Texte haben ebenfalls nichts von ihrer Schärfe eingebüßt und stellen einen Frontalangriff auf die Sittenwächter dar. Ein Schmunzeln sich an der einen oder anderen Stelle dennoch nicht vermeiden, etwa wenn B-Tight herrlich doof, aber treffend textet „Ich bin eine Randgruppe“. Doch eben diese will der Aggro-Rapper offenbar nicht länger verkörpern – zumindest wenn es um den kommerziellen Erfolg geht. Und so stellt B-Tight fest, dass „der Junge aus dem Keller jetzt endlich nach oben will“ („Ich bins“) und dass „Keiner so gut, so heiß, so männlich, so smooth, so cool, so verdorben, so echt ist“ („Gut“).

B-Tight spricht die Sprache der Straße, schießt aber in Stücken wie „In den Mund!!!“, „Fick dich (Sinfonie)“ und „Hör nicht auf“ über das Ziel hinaus, indem er Sex und Gewalt plakativ in den Mittelpunkt stellt und Ausdrücke wählt, die eine Indizierung förmlich herausfordern. In solchen Fällen können sich die Aggro-Rapper ihre Verbraucherhinweise in die Haare schmieren und vergeblich darauf hinweisen, dass dies nur Fiktion und Übertreibung sei. Das klingt wie eine Begegnung im Stadtpark, wo der Pitbull-Besitzer grinsend darauf hinweist, dass seine kleine Kampfmaschine nicht beißt und nur spielen will. Dabei geht es auch anders, wie in authentischen Tracks wie „Zack! Zack! (Berlin)“ und „Bobby Dick“ zu hören ist. Zudem muss festgestellt werden, dass „Neger Neger“ musikalisch ohne große Makel daherkommt. Die Raps fließen gekonnt und eingängig, die Beats hämmern amtlich aus den Boxen und mit Alpa Gun, Sido, Tony D, Kitty Kat und Fler gibt sich die geballte Aggro-Posse das Mikro in die Hand. Das macht den Unterschied zu vergleichen Underground-Acts wie King Orgasmus One und Frauenarzt aus, die in Sachen Beat-Bau immer irgendwie limitiert und langweilig klingen. Hier ist B-Tight eindeutig vorne. Wären da nur nicht die grenzwertigen Lyrics aus der Gosse.

Anspieltipps:

  • Ich bins
  • Bobby Dick
  • Zack! Zack! (Berlin)
  • Was soll ich machen
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