Rim Banna - Seasons Of Violet - Cover
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Rim Banna Seasons Of Violet


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Palästinenserin Rim Banna entstammt musikalisch der norwegischen Errungenschaft für folkloristisch puristische Töne, nämlich dem Label Kirkelig Kulturverksted (u. a. Maria Solheim, Kari Bremnes). Dessen Haus-Produzent Erik Hillestad lernte Rim Banna auf seiner Reise durch Palästina kennen, wo er neben anderen so genannten Krisengebieten für seine gesellschaftlich engagierte Zusammenstellung „Lullabies From The Exis Of Evil“ unterwegs war. Ihre Interpretation eines historischen Wiegenliedes brachte den renommierten Musikkenner zum Weinen und so kam er ebenso wie das eingangs erwähnte Label nicht umhin, der jungen Dame auf derem Debüt „Mirrors Of My Soul“ (2005) ausreichend Spieldauer einzuräumen. Ohne allzu pathetisch abschweifen zu wollen, ist es nicht zu viel gesagt, Rim Bannas Interpretation arabischer Lieder- und Dichter-Tradition als Bindeglied zwischen den vermeintlich so weit entfernten Welten aus Ost und West zu sehen. Naturbezogene, lyrische Pracht und politischer Bezug mit brachialer Realität ist eine Gratwanderung, die ihre eigenen hohen Ansprüche hat – Rim Banna vollzieht sie noch dazu auf hochgradig faszinierende Art und Weise.

Gemeinsam mit einem norwegischen Musiker-Quartett und ihrem ukrainischen Mann Leonid Alexeienko gibt sie sich auf dem aktuellen Longplayer dem Flieder, in Palästina ein Symbol für Liebe und Sehnsucht, hin und nennt es bezeichnend „Seasons Of Violet“. Die arabischen Texte weisen im elegant gestalteten Booklet eine englische Übersetzung auf und werden so zu einer transparenten Entdeckungsreise, die so manches Auge öffnen dürfte. Trotz der allgegenwärtigen arabischen Klangfarbe und der für Europäer mystisch anziehenden Sprache samt gläubiger, liebestrunkener Verse ist es keine einseitige Reise in vergessene Epochen, sondern eine ungemein positive Verschmelzung mit zurückhaltend eingeflochtenen westlichen Pop/Rock-Andeutungen.

Leicht jazzig und wie jede weitere Minute intensiv vielseitig instrumentiert, greift der Opener „The Hymn Of The Sea“ um sich und ist allein schon wegen der vielseitigen Stimme Rim Bannas eine Verneigung vor intelligent schöngeistiger Musik. Ihre Vocals bewegen sich zwischen poetischer Zartheit und dynamischem Ansporn. Dabei wirkt vor allem das spirituelle Gespür in Texten und den weitläufigen Instrumentarien wie eine Absage an alles Hektische der westlichen Welt und gewinnt mit einer unbeschreiblichen Ruhe, die einen gerade auch wegen der arabischen Sprache mit schmerzlicher, doch unvermeidbar mitreißender Erhabenheit auf eine sonderbar glücklich machende Reise entführt.

Anspieltipps:

  • The Night Has Fallen Down
  • The First Rain
  • The Dream
  • A Prayer
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