Kilians - Kill The Kilians - Cover
Große Ansicht

Kilians Kill The Kilians


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

School’s Out! Was macht man wenn man gerade eben das Abitur hinter sich hat? Man feiert bis zum Umfallen, trinkt ausgiebig und genießt das zunächst vermeintliche lockere Leben. Oder man macht es wie fünf Jungens aus dem beschaulichen Dinslaken (im Ruhrpott) und addiert zu den eben genannten Vorzügen des Post-Schulischen Daseins einfach noch eine eigene Band namens Kilians hinzu und nimmt ein unglaublich tolles Debüt auf.

Bereits vom Start weg geht’s in die Vollen. „Short Life Of Margott“ schrammelt, knirscht und groovet dermaßen locker vom Hocker, dass man sich verwundert die Ohren reibt. Solch eine Coolness hätte man sicher nicht automatisch mit Bewohnern einer kreisangehörigen Stadt des Kreises Wesels im Regierungsbezirks Düsseldorf assoziiert. Aber Bereits nach den ersten Sekunden wird klar, dass hier eine Band Regie führt, die ungeheuren Spaß an ihrer Arbeit hat. „Fight The Start“ bestätigt kurz darauf auch den äußerst verheißungsvollen Auftakt. Das geht schnurstracks ins Ohr und macht müde Gehörsinne munter. Bei „Little Billie, Little Brother“ wird die Mundharmonika aus dem Seckel gefischt und relaxt zum Beat mitgewippt.

Die Kilians klingen britischer (wenn es so eine Bestimmungskategorie überhaupt geben sollte), als die meisten Hochgepriesenen Hypes unserer Tage. Und man fragt sich verwundert, ob dies wirklich ein Debüt einer deutschen Band, oder bereits der souveräne Drittling einer schon lange eingestandenen und über die eigenen Landesgrenzen hinaus etablierten Rockkombo ist? Geholfen hat bei diesem audialen Reifeprozess sicherlich auch ihre aktive Teilnahme an den großen Festivals dieses Jahres, sowie ihre Support-Engagements für bereits bekanntere Kapellen wie Tomte oder den „alten“ Rockhasen von The Cooper Temple Clause. Ungemein selbstsicher und authentisch bahnt sich „Can’t Get Along“ seinen Weg ins gemeine Hörerohr, und gehört ebenso wie das entzückende „When Will I Ever Get Home“zu den zahlreichen Höhepunkten dieser Platte. Eine wirklich bemerkenswerte Mischung von wummernder Rockmusik und genial-poppigen Melodien.

Unter Aufsicht ihres musikalischen Erziehungsberechtigten Swen Meyer (Kettcar, Tomte) produzierte das Quintett dann dieses Album auf eigene Faust. Eine absolut richtige Entscheidung. Denn Pop-Rock Perlen wie die Akustik-Droge „Sunday“ oder das ruhigere „Fool To Fool“ könnte man sich schwerlich als Auftragsarbeit Marktorientierter Konsumproduzenten vorstellen. Der spärliche Sommer liegt in seinen letzten Zügen. Na Und? Mit „Kill The Kilians“ holt man ihn einfach über den minimalen Umweg der heimeigenen Lautsprecherboxen wieder zurück in die gute Stube. „Inside Out“ lässt mit dezentem Reggae-Riff versehen alle frühherbstliche Tiefstimmungen verschwinden und auch „Dizzy“ spült jegliche Nach-Sommer-Depression durch die Gehörgänge hinweg und der Kopf nickt mit und mit und mit „P.L.E.A.S.U.R.E.“ beschließt dieses tolle Album. Und eine Freude waren die letzten 40 Minuten in der Tat. Da freut man sich jetzt schon auf eine Fortsetzung.

Die „Kilians“ beweisen, dass gute Musik nichts mit dem Alter der handelnden Akteure oder vorab getätigten Heiligensprechungen von stylisch korrekt gekleideten und sich an aktuellen Trends orientierenden Bands zu tun haben muss. Wenn schon einen Hype, dann doch bitte hier. Und den Albumtitel um Himmelswillen nicht wörtlich nehmen. Diese Band könnte uns in Zukunft noch viel Freude bereiten.

Anspieltipps:

  • Short Life Of Margott
  • Fight The Start
  • Can’t Get Along
  • Sunday
  • Dizzy
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Kilians“
comments powered by Disqus